Digger
Er ist erst auf den zweiten Blick wirklich wiederzuerkennen: Tom Cruise als titelgebender „Digger“ entert mit bedenklich schütterem Haar und einem Bauchansatz, der eigentlich eine Wampe ist, die Leinwand. Der (von »Eyes Wide Shut« mal abgesehen) auf Action abonnierte Mime spielt einen reißerischen Ölbaron, der die Menschheit retten soll, nachdem er eine globale Katastrophe ausgelöst hat. Den Auftrag erhält er vom so aufgebrachten wie aufbrausenden US-Präsidenten (John Goodman at his best). Aber Digger ist eher einer, der Chaos auslöst, statt es unter Kontrolle zu bringen. Cruise spielt keinen unerschrockenen Helden, sondern einen größenwahnsinnigen Machtmenschen. Der Star, dessen Körper in »Mission: Impossible« zum Instrument perfekter Selbstbeherrschung geworden ist, demontiert genüsslich den Kult um seine Person. Regie führt Alejandro González Iñárritu, der sich nie auf eine feste Handschrift festlegen lässt. »21 Gramm« und »Babel« erzählen von Zufall, Schuld, Verlust und den Folgen menschlicher Entscheidungen. »Biutiful« konzentriert diese Themen auf einen Einzelnen, »Birdman« macht daraus eine schwarze Komödie über Eitelkeit und Anerkennung, »The Revenant« ein Überlebensdrama. Was sie verbindet, sind Menschen, deren Kontrolle über das eigene Leben zerbricht. »Digger« scheint diesen Gedanken weiterzuführen. Gedreht wurde auf 35-mm-Film im VistaVision-Verfahren, mit Kameramann Emmanuel Lubezki. Besonders ist die Mischung aus schrillen Bildern, Katastrophenfantasie, schwarzer Komödie und persönlicher Hybris: Iñárritu zeigt, dass die mächtigsten Männer der Welt keine Retter, sondern ein Problem sind. Neben Cruise und Goodman spielen Sandra Hüller. Michael Stuhlbarg, Riz Ahmed und Jesse Plemons.
Grit Dora
Buch: Alexander Dinelaris, Nicolás Giacobone, Sabina Berman, Alejandro González Iñárritu
Regie: Alejandro González Iñárritu
Darsteller: Tom Cruise, Riz Ahmed, John Goodman, Sandra Hüller, Michael Stuhlbarg, Jesse Plemons, Robert John Burke, Emma D’Arcy
Bundesstart: 01.10.2026
Start in Dresden: 01.10.2026