Blue

Experimentalfilm, Großbritannien 1993, 76 min

»Blue« ist die Abschiedsgeste des AIDS-kranken Filmemachers Derek Jarman, die geistige und dabei hoffnungsvolle Auseinandersetzung mit seinem Tod. Nachhaltig zeigt der Film, dass sich die Existenz der Krankheit und des Todes nicht im Bild beweisen muss. Während auf die Leinwand die Farbe Blau projiziert wird, werden im Off lyrische und prosaische, aggressive und pathetische Passagen aus Jarmans Tagebüchern gelesen. Das Blau, das dem Film seinen Namen und seine Farbe gibt, stammt von dem Maler Yves Klein, dem Jarman BLUE gewidmet hat. Projiziert hat es allerdings mit dem Blau von Klein kaum noch etwas gemeinsam: Mit der Gemäldeleinwand ist die Leinwand im Kino eben nicht zu vergleichen. Die Kinoleinwand hat Risse oder ist schmutzig, das Licht des Projektors wird reflektiert, beleuchtet sie selbst und den Saal - in jedem Kino wird es anders sein. Dabei entsteht eine Projektionsfläche, die die Sinneshierarchie im Kino verkehrt - die Bilder projizieren die Zuschauer selbst. Über die Kulturgeschichte der Farbe Blau muss man nicht viel wissen, um Blue zu verstehen. Der Text, die Stimmen aus dem Off sprechen alles aus: Blau ist die universale Liebe, in die der Mensch sich bewegt - sie ist das irdische Paradies. Blau, das ist die Farbe als Symbol für die spirituelle Hoffnung des inzwischen verstorbenen Regisseurs Derek Jarman. Im Gegensatz zu den dokumentarischen AIDS-Filmen, die den Verfall des Körpers zeigen und den Spielfilmen, die aus dem Sterbenden ein tröstliches Ritual der Gemeinschaft machen, führt Jarman in Blue eine intensiv erlebte Auseinandersetzung mit dem Tod. Der Film ist das Dokument erfüllter Hoffnung, sich dem Tod nicht mehr entgegenstellen zu müssen. Blau wird zur Farbe der Harmonie, in der die Widersprüche des Lebens und die Leiden des Körpers aufgehoben sind.

Buch: Derek Jarman

Regie: Derek Jarman

Sprecher: John Quentin, Tilda Swinton

Musik: Simon Fisher-Turner

Produktion: James Mackay, Takashi Asai

Bundesstart: 10.03.1994

FSK: ab 12 Jahren