Rejs - Der Ausflug
Wenn man einen beliebigen Polen nach drei Filmen fragt, die definitiv Kult sind, wird er einen auf jeden Fall nennen: »Rejs«. Im Ausland ist er so gut wie unbekannt, während in Polen fast jeder den Text auswendig kennt - nicht zuletzt den legendären Generalabrechnungs-Monolog über das lausige polnische Kino. Angeblich läuft der Streifen in polnischen Studentenklubs deshalb nur noch in einer japanischen Synchronfassung.
Dabei ist die Handlung eigentlich unspektakulär: Ein blinder Passagier wird auf einem Ausflugsschiff irrtümlich für einen Kultursekretär der Kommunistischen Partei gehalten und dazu aufgefordert, gemeinsam mit den Reisenden ein Programm zu erstellen. Diese neue Rolle nutzt er hemmungslos aus und lässt die Passagiere aus unterschiedlichsten Schichten nach seiner Pfeife tanzen.
Natürlich ist diese Ausflugsfahrt auf dem Dampfer eine bittere Satire auf das Polen der frühen Siebzigerjahre. Das erkannte auch die Zensur und schickte ihn um 22 Minuten gekürzt mit nur einer Kopie auf die Reise durch die Kinos. Es half nichts - die Komödie, die mit zahlreichen Laiendarstellern gedreht wurde, zählt bis heute zu den bekanntesten Filmen Volkspolens. In Torun, wo die Seefahrt begann, wollte man ihm sogar ein Denkmal setzen. Nicht zufällig heißt heute das Kino des Polnischen Künstlerverbandes in Warschau - „Rejs“.
Buch: Andrzej Barszczynski, Janusz Glowacki, Jerzy Karaszkiewicz, Marek Piwowski
Regie: Marek Piwowski
Darsteller: Stanislaw Tym, Jolanta Lothe, Wanda Stanislawska-Lothe
Kamera: Marek Nowicki
Musik: Wojciech Kilar
Produktion: P.P. Film Polski
Bundesstart:
Start in Dresden: