Vielleicht lieber morgen

Drama, USA 2012, 103 min

„Willkommen am Stand mit den Mängelexemplaren!“ Nicht unbedingt die Begrüßung, die man sich auf einer Party wünscht. Für Charlie aber ist es der Beginn einer großartigen Zeit an der High School. Er weiß, dass er ein Außenseiter ist und hat endlich Freunde gefunden, die ihr Außenseitertum feiern und mit Selbstironie dabei viel Spaß haben.
Charlie ist der Ich-Erzähler in dieser Geschichte, manchen vielleicht bekannt aus dem Briefroman „Das also ist mein Leben“ von Stephen Chbosky. »Vielleicht lieber morgen« ist die gelungene Verfilmung, in der der Autor sein Regiedebüt gibt. Charlie (Logan Lerman) zählt die Tage bis zum Ende der Highschoolzeit, er hat mit seinem Literaturlehrer mehr gemeinsam als mit den meisten Mitschülern - bis er Patrick (Ezra Miller) und Sam (Emma Watson) aus einem höheren Jahrgang kennen lernt. Die beiden feiern, wenn sie mit ihren Noten unter dem Durchschnitt liegen und haben eine Reihe von unkonventionellen Freunden, mit denen Charlie sich blendend versteht. Ein Schuljahr voller Emotionen und aufregender Begegnungen, aber auch Schmerz liegt vor ihm. Intensiv wird es nicht nur durch seine Zuneigung zu Sam und das Wissen darum, dass er im kommenden Sommer als einziger bleiben wird, während die anderen mit einem Abschluss die Schule verlassen werden. Er hat zuvor bereits einen guten Freund durch Selbstmord verloren und ein weiteres Erlebnis in seiner Kindheit gehabt, das seine Persönlichkeit prägt und ihn im Laufe des Films immer wieder einholt.
Sicherlich, hier wird nicht das Genre des Coming-of-Age neu erfunden, aber doch eine Geschichte so stimmig und mit so liebenswerten Figuren erzählt, dass es eine Freude ist. Logan Lerman ist der perfekte Charlie: verschlossen, schüchtern, aber voller Tiefe, Emma Watson eine sensible und gleichzeitig verrückt-aufgedrehte Sam und schließlich Ezra Miller die Idealbesetzung für den subversiven und androgynen Patrick. Ihn sah man zuletzt in »We Need to Talk About Kevin«, wo er den düsteren und nicht durchschaubaren Sohn von Tilda Swinton gab. Hier erinnert er mehr an Cillian Murphys Jonathan, dem Dresdener Publikum bestens bekannt durch die jährlich wiederkehrende Aufführung des wunderbaren »On the Edge« im Thalia.
Der stimmig ausgewählte Soundtrack schließlich rundet »Vielleicht lieber morgen« ab: Neben David Bowies „Heroes“ sind The Smiths, Sonic Youth und Cocteau Twins zu hören.
Petra Wille

Buch: Steve Chbosky

Regie: Steve Chbosky

Darsteller: Emma Watson, Nina Dobrev, Logan Lerman, Paul Rudd, Ezra Miller, Mae Whitman, Melanie Lynskey, Kate Walsh, Dylan McDermott

Kamera: Andrew Dunn

Musik: Michael Brook

Produktion: Mr. Mudd, Summit Entertainment, Lianne Halfon, John Malkovich, Russell Smith

Bundesstart: 01.11.2012

Start in Dresden: 01.11.2012

FSK: ab 12 Jahren