Red Dawn

Action, USA 2012, 109 min

Alter Schalter, dass solch ein Rotz überhaupt noch in unsere Kinos kommt, ist schwer verständlich, zumal bereits das Original von John Milius »Die rote Flut« mit Patrick Swayze und Charlie Sheen von 1984 schnell aus ein paar vernunftbegabten Lichtspieltheatern u.a. in Berlin, Düsseldorf und Freiburg verbannt wurde. Solch ein hohler Mumpitz trägt nicht unbedingt dazu bei, das europäische Zerrbild des primitiven US-Bürgers aufzuwerten. Aber seien wir Deutschen ehrlicherweise doch mal froh, dass es die USA gibt und verzeihen ihnen solch einen kinematographischen Ausrutscher. Schließlich müssten wir ohne sie noch immer Bratwurst mit Sauerkraut essen und Berlin wäre jetzt Germania. Seien wir Deutschen also nicht so arrogant und tun so, als ob unser Land ein Hort der Intelligenz wäre. Schließlich meinte hier auch schon mal ein Stuntkoordinator einen auf Filmregisseur machen zu müssen, was im Prinzip damit zu vergleichen ist, als ob ein Dispatcher der Dresdner Verkehrsbetriebe das Ballett „Coppélia ou La Fille aux yeux d'émail“ in der Semperbrauerei choreographieren würde. Damals, 84, waren die Russen, welche ja korrekterweise Sowjetbürger waren und nicht nur Russen, die Bösen. Das sind sie zwar irgendwie immer noch, aber keiner würde mehr ernsthaft glauben, unser ehemaliger Dresdner Gast von der Angelikastraße 4 würde die USA angreifen. Deshalb kam man auf den vermeintlich ausgebufften Dreh, dass diesen Part jetzt mal die Chinesen übernehmen könnten. Doch dann, als der Film bereits fast im Kasten war, kam einer von der Buchhaltung von Gegenüber und meinte, dass das nicht ginge, da man den Film noch in China an den Mann bringen wolle. Also wurden kurzerhand aus den Chinesen Nordkoreaner, die ja auch nicht Ohne sind und der weiße Mann da eh keinen Unterschied erkennen würde. Abzeichen und anderes optische Gedöns wurde für knapp ne Million noch mal am Rechner auf umgepixelt, fertsch! (Urs hast Du auch mit umgepixelt?) So, nun greifen also 28 Jahre später nordkoreanische Besatzertruppen das kleine Nest in den USA an, und wieder sind es einfache ländliche Jungerwachsene, die mehr draufhaben als die gesamte hochtechnisierte US Army. Wie schon irgendwo Jemand richtig bemerkte, ein gefährlicher Film für die US-Rüstungsindustrie, da der schlichte ländliche US-Bürger zu dem Schluss gelangen könnte, dass eine solche Hochrüstung seinen Landes gar nicht von Nöten ist, wenn das auch eine Handvoll blöd quatschender High-School-Affen hinbekommt. Aber mal im Ernst, da zieh ich mir doch lieber in meinem Herrenzimmer einen gepflegten Ego-Shooter rein, als mir solch einen drögen Patriotenkack in den Krümelpolstern unserer Stadt zu geben.
Ray van Zeschau