Das große Heft

Drama, Deutschland/Ungarn/Österreich/Frankreich 2013, 112 min

Wahrscheinlich nur Freunden großer Literatur wird »Das große Heft« der ungarischen und schon lange in der Schweiz lebenden Autorin Agota Kristof ein Begriff sein. Vom Umfang her ist der Roman bescheiden und in einer Nacht zu lesen. In seiner Wirkung ist er beeindruckend und geht einem monatelang nicht aus dem Kopf. Er erzählt die Geschichte von zwei 13-jährigen Zwillingsbrüdern, die in der Endphase des 2. Weltkrieges zu ihrer Großmutter aufs Land gebracht werden, um dem absehbaren finalen Grauen in der Stadt zu entgehen. Auch der Verbleib auf dem Lande ist nicht unproblematisch, zumal die Großmutter auf die beiden Bastarde keinen Wert legt. Doch die zwei Jungen finden ihre Überlebensstrategie. Ihre eiskalte Analyse der Charaktere und Beziehungen der Menschen des Ortes, die sie mit buchhalterischer Akribie in ein großes Heft eintragen, lässt sie nicht nur überleben, sondern auch Freund oder Feind ihrer Umgebung nach ihrem Gutdünken gnadenlos untergehen. Ein apokalyptisches Buch, das über seinen historischen Rahmen weit hinausgeht. Der Ungar János Szász hat es verfilmt und auf dem diesjährigen Filmfestival in Karlovy Vary dafür den Hauptpreis erhalten. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Ankündigung hatte ich leider noch nicht die Gelegenheit, den Film zu sehen.
f.a.