Cinema Digestif 3: I Am Always Hungry – Queer Monsters, Queer Heroines
„[...] das monströse Geschlecht existiert in einer liminalen Zone, die die Grenze zwischen dem Menschlichen und dem Nicht-Menschlichen markiert.“ Judith Butler
Das Programm vereint fiktionalen Horror, queere Formexperimente und Animation zu einem grenzüberschreitenden, neonfarbenen Fiebertraum voller dunklem Humor und visuellem Exzess. Seit Beginn der Filmgeschichte sind Schurk:innen und Monster von Frankenstein bis Dracula oft queer codiert; bösartig-andersartig, als Projektionsflächen der Angst und Faszination, moralisch verurteilt durch eine heteronormative Gesellschaft. Die Filme dieses Programms unterlaufen diese Zuschreibungen, um sich das Monströse
wieder anzueignen und farbenprächtig zu zelebrieren. Figuren wenden sich gegen ihre Autor:innen und legen die Gewalt normativer Erzählweisen offen. Schmelzende, abweichende und hybride Körper erleben Transformation als dysphorischen Horror und Befreiung zugleich. Der Akt des Filmemachens selbst wird Teil der Erzählungen. Seine Grenzen und Widersprüche fließen in die Narrative ein und machen das Ringen um queere Ermächtigung spürbar: animierte Labore, mystische Held:innen, lebendig gewordene Sextoys und Racheakte im Kinosaal. Obsessive Sinnlichkeit, Camp und Stilisierung verbinden sich zu einer befreiten, widerständigen Sprache.
Mit einem Fokus auf die Queer French Extremity und aktuellen Stimmen des britischen, spanischen und taiwanesischen Kinos versteht sich dieses Programm als Einladung, queere Monstrosität als eine zeitgenössische filmische Kraft zu erleben: hungrig, normverschlingend und transformativ.
Kuratiert von Felix Bartke, Miri Ian Gossing