Godzilla

Action/Science-Fiction, USA 2014, 123 min

Wau, wie die Zeit vergeht! Tatsächlich ist es bereits 16 Jahre her, dass Roland Emmerich eine Godzilla-Rayanimierung versuchte, die, nun ja, sagen wir mal, ganz unterhaltsam war, aber nicht dazu beitrug, sich vor Spannung das Hemd einzuschwitzen. Emmerichs randalierender Riesenrüpel verfehlte die Messlatte zur Kultnummer und wurde nicht wirklich von der Godzilla-Fangemeinde gelitten. Neun Jahre später drehte Matt Reeves mit Gloverfield dann einen etwas ähnlich gearteten Monsterfilm mit Lars-von-Trier-Parkinson-Pseudodoku-Wackelkamera, der aber von vornherein nicht dazu angetreten war, irgendetwas mit dem Godzillafranchise zu tun haben zu haben wollen. 2011, spätestens nachdem das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi in die Luft geflogen war, hätte ich nun aber dringend mit einer realen Godzillagenerierung gerechnet. Stattdessen schrubbte man mit dem von der deutschen Regierung gelieferten Henkel General lediglich das kontaminierte Deck des vor Japan liegenden Flugzeugträgers USS Ronald Reagan, so dass mein Sushi seither zuweilen etwas nach Bergfrühling schmeckt. 2014 wurde nun Regisseur Gareth Edwards verpflichtet, um wie einst olle Roli außerhalb Japans des nuklearen Echsengetiers gerecht zu werden. Da Mister Edwards die Platzdeckchen gleich zu Hause gelassen hat, wird auch prompt ordentlich geklotzt, und unser lurchiger Protagonist hat nunmehr Ausmaße angenommen, bei denen ich mich schon als dramaturgisch- und biophysikalisch gymnastizierter Fachjournalist frage, was isst bitte schön solch ein Riesenvieh zum Mittag? Ne Tüte Buckelwale, or wot? Da es sich hier aber nicht etwa um eine Kinoadaption des beliebten TV-Magazins „Du und Dein Haustier“ mit Gudrun Thiele handelt, darf die überdimensionierte Großraumechse auch ohne Brechfest ordentlich im urbanen Raum rumpöbeln, was die Rechner hergeben. Da wird nix ausgelassen, was je der Katastrophenfilm in seiner 78-jährigen Geschichte zu bieten hatte. Ganz nebenbei erfahren wir auch noch Guido-Knopp-like, dass in den golden Fifties nicht etwa aus lauter Flax und Krümmel oder gar aus purem Wissenschaftsdrang die Marshallinseln nuklear zerballert wurden. Nein, nein, liebe Fans, Rumble in the Underwaterjungle. Man fummelt nicht ungestraft in der Natur herum, außer vielleicht beim Pilze suchen. Aber auch davon wird in Bayern 28 Jahre nach dem Fallout von Tschernobyl noch immer abgeraten. Im Prinzip adaptiert Regisseur Gareth Edwards Ishiro Hondas Vorlage aus dem Jahr 1954 und kostet dabei die heutigen technischen Möglichkeiten aufs Vollste aus, ohne aber den Film in eine bloße Zerstörungsorgie verkommen zu lassen. Eine epische Katastrophe der Sonderstufe mit Konzertberechtigung. Beim letzten Ton des Zeitzeichens waren es 0,2 mSV.