Hercules

Action/Fantasy, USA 2014, 99 min

Liebe arbeitende Bevölkerung, trotz dass es dieses Jahr schon ganz schön geherkulest hat, kann ich Ihnen versichern, dass hier kein autobiografisches Werk von Wolfgang Stumph vorliegt, der seine Zeit im Dresdner Kabarett (DD-Zeit) mit filmischen Mitteln beleuchtet. Ja, werte Altkunden und Blueser, zurzeit mehrt sich das Aufkommen des schon fast vergessen geglaubten Genres des Sandalenfilmes. Unnötige Flimmerlinge wie »300: Rise of an Empire« oder das beknackte »Pompeji« zeugten dieses Jahr bereits auf die ein oder andere ergräuliche Weise davon. Nach dem Renny Harlin (»Stirb langsam 2«) nun auch noch erfolgreich sein »The Legend Of Hercules« mit dem mir vollkommen unbekannten Kellan Lutz versemmelt hatte, ging ein paar Monate später »Hercules: The Thracian Wars« von Regisseur Brett Ratner ins Rennen. Siehe da, es geht auch weniger dämlich und das sogar sehr fetzig und modern. Da wird sich nicht groß an das antiquare Geschreibsel der griechischen Mythologie gehalten, sondern locker übern Hocker bei flotten Sprüchen aufs Brett gekloppt. Einzig die 12 Aufgaben, die Herkules einst gestellt bekam, um sich von diversen Vorfällen im unverschuldeten Vollknatter rein zu waschen, haben noch etwas mit der ursprünglichen Geschichte zu tun. Garniert wird Herkules, der im Übrigen von dem überaus sympathischen und kongenialen Dwayne „The Rock“ Johnson verkörpert wird, von einem Messerwerfer Namens Autolycus (Rufus Sewell), der Bogenschützin Atalanta (Ingrid Bolsø Berdal), dem Axt-Schmeißer Tydeus (Aksel Hennie), dem Seher Amphiaraus (Ian McShane) und dem Geschichtenerzähler Iolaus (Reece Ritchie). Vor allem Letzterer weiß durch seine überbordenden Storys über Herkules die Feinde in Angst und Hosenschiss zu versetzen. Das weiß auch König Cotys (John Hurt) zu schätzen und engagiert die glorreichen Sieben, um seine Macht in Thrakien wieder in eine gepflegte Position zu setzen. Als Lohn winken 999er Gold in der Höhe des Gewichtes von Herkules. Das ist im Fall von Dwayne Johnson 120 kg. Das entspricht 4.232,87 Unzen, was zum Zeitpunkt dieser Niederschrift, am 15. August 2014 gegen 22:17 Uhr MEZ, 4.115.378,95 € wert gewesen wäre. Durch Sieben ergibt rund 587.911,27 € pro Teilnehmer. Hätte der thrakische Krieg in der Deutschen Demokratischen Republik stattgefunden, wären das immerhin 5.879.112,7 Mark der DDR gewesen! Aber König Cotys ist nicht Erich Honecker und spricht auch besser. Aber noch ahnt Herkules nicht, dass der Machthaber ein doppeltes Spiel mit ihm treibt und sein viehischster Kampf, der alles von ihm dermaßen fordern und seine sagenumwobenen krassen Fähigkeiten auf die Probe stellen wird, unmittelbar bevor steht…
Zeus sei’s gedankt wurde der Film auf Jugendfreigabe hin gearbeitet, so dass die sonst in diesem modernisierten Genre so exzessiven Blutfontänen ausbleiben und man mehr Wert auf das gepflegte audioakkustische Erlebnis des Knochenzerberstens wert legte. Na dann Herkules, Keule frei!
Ray van Zeschau (mit thrakischen Wurzeln)