TRAILER

Tod den Hippies!! Es lebe der Punk

Drama, Deutschland 2015, 105 min

Na lieber nicht! Weder das eine noch das andere. Aber ich frage mich ernsthaft, wer dieses Land glauben gemacht hat, dass Berlin ein unabdingbarer Quell von Hoch- und Subkultur wäre? Ich kenne z.B. einen aus Dresden stammenden Intendanten, bei dem dieser seltsame Berlinmythos damals solch’ grellbunte Blüten trieb, dass er als kleiner Regieassi anfing zu berlinern. Hallooo? Geeeehts noch? Papperlapapp, in den 80er Jahren hatte Dresden das progressivste Theater des Ostens und nicht etwa Berlin. Der beste Opernsänger des Faches Bass, René Pape, einfach mal Dresdner. Die erste deutsche HipHop-Band kam nicht etwa aus dem Westen oder gar „Balin“, nee aus Dresden, und nannte sich „Three-M-Men“, ihr Kunden! Von Gerhard Richter mal ganz zu schweigen. Aber auch Regisseur Oskar Roehler erlag diesem luftbildnerischen Nimbus Berlins und versuchte sich in der filmischen Huldigung in oben erwähnter Epoche. Vor allem in den 80ern strömten junge Leute in die Stadt, die meinten die kulturelle Weisheit letzten Schlusses da verortet zu glauben. Für den Jungwessi kam angenehm begleitend hinzu, dass Westberlin als Wohnsitz ausreichte, um nicht zur Bundeswehr zu müssen. So also zieht es Roehlers Figur Oskar (Tom Schilling) aus der hippiekontaminierten Westprovinz in die pulsierende und etwas andere Metropole des westlichen Sektors. Aber vor allem in „Wespenlin“ benötigt man den ein oder auch anderen Bolero, um gepflegt um die Häuser ziehen zu können. So also heuert Robert in Schwarzens (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) hochkultureller Peepshow an, muss erstmal die Wichskabinen schrubben und die Models mit lecker Happenpappen versorgen. Nach der Schicht, geht’s dann ordentlich auf die Piste, während Laktoseintoleranz und Veganismus noch im Patentamt schlummern und Helene Fischer vier Jahre vor ihrer Zeugung steht. Robert verliebt sich über alle Maßen in Sanja (Emilia Schüle) und trifft im legendösen „Risiko“ Blixa Bargeld (Alexander Scheer), der eigentlich Christian Emmerich heißt und damals ausnahmsweise eine kulturelle Ausnahme bildet. Aber für Robert muss es doch außer Bier, Punk und Pimpern noch bisschen mehr im Leben geben, bevor ’89 die Mauer fällt und das Paradies in die Welt geschubst wird. Bereits in diesem Jahre wurde mir klar, dass Punk verschissen hatte, als mich ein Westberliner Punk fragte, ob ich ’ma ’ne Mark hätte. Na klar hatte ich und gab ihm eine. Er bedankte sich brav, bekam aber schnell, auf Grund des Mindergewichtes mit, was er da in der Hand hielt und entbot sich nicht etwa der Frechheit, sie mir wiedergeben zu wollen. Nachdem ich nachgefragt hatte, was er denn für ein Arschloch sei und man im Osten dafür zwei 0,33er Bierhülsen bekäme, trottete der Gescholtene von dannen. Ja, Leute, Punk war mal lustig, bevor er von uniformierten Spießern im Punkkostüm missbraucht wurde. Aber so ergeht es wohl den meisten Subkulturen, wenn sie von zu vielen Trotteln vereinnahmt werden. Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, was mir der Regisseur eigentlich mit diesem Film sagen wollte!?
Ray van Zeschau