Fritz Lang

Doku-Drama, Deutschland 2016, 104 min

Immer dann, wenn sich Visionäres und Offensichtliches ineinander fügen und wenn eine sehr nahe liegende Idee endlich zu einem Projekt wird, bringt die Kunst des Filmemachens ein Werk von ganz besonderer Strahlkraft hervor. So geschehen am 11. Mai 1931, als dem gefeierten, deutschen Regisseur Fritz Lang mit seinem ersten Tonfilm »M« ein genialer Wurf gelungen war. Lange hatte sich der Mann geplagt, hatte Drehbuchideen verworfen, sich abgelenkt, mit Drogen und Frauen, und hatte unter dem Druck des aufkommenden Tonfilms fieberhaft nach einem Ausweg gesucht. Als er in den Zeitungen von der dringlichen Suche nach einem Serienmörder liest, dem Vampir von Düsseldorf, fährt er an den Rhein und spricht beim leitenden Kriminalkommissar vor. Ernst Gennat, der in Berlin als Erfinder der Mordkommission gilt, weiß sofort, wer da an seine Tür klopft. Bereits Jahre zuvor hatte er mit Fritz Lang zu tun gehabt; dienstlich… Jetzt genießt Lang das ungewöhnliche Privileg, den Vernehmungen eines geständigen Mörders beiwohnen zu dürfen. Peter Kürten, dem die Polizei eher zufällig auf die Spur kommt, plaudert offenherzig und der Regisseur in Lang spürt sofort, jetzt hat er den Stoff gefunden, welchen er so lange suchte. Oder ist es eher so, dass der Stoff nach ihm gefahndet hat, sich wie besessen auf seine Spur geheftet hat? Auf die Spur des Mannes, der selbst schon einmal auf jenem Stuhl vor Kriminalrat Gennat saß und der sich jetzt auch seinen Dämonen stellen muss?
Auf irritierende Weise montiert Regisseur Gordian Maugg seine fabelhaft schönen Schwarz-Weiß-Bilder mit den restaurierten Originalszenen aus »M«, sowie mit dokumentarischen Zeitdokumenten. Maugg, der diese Mischtechnik seit Jahren erfolgreich benutzt, geht sogar noch einen Schritt weiter. Seine dreifache Ode an Regisseur Lang, Kriminalfall Kürten und Meisterwerk »M« fragt nach genau dieser Konstellation, ihrer Offensichtlichkeit und ihren Hintergründen. Mutig verweist er auf Ähnlichkeiten zwischen Lang und Kürten, zeigt zwei getriebene, nicht uneitle Männer, die bis zur Hutkrempe voller Abgründe stecken. Der gewaltsame Tod von Fritz Langs erster Ehefrau Elisabeth Rosenthal sowie der später von den Nazi angeblich zensierte Arbeitstitel »Mörder unter uns« werfen nach Mauggs Lesart ein grelles Licht auf Fritz Langs Gesicht. Einschließlich dunkler Schatten.
alpa kino