Petting Zoo

Drama/Jugend, Deutschland/Griechenland/USA 2015, 92 min

Die Lust, in die Leinwand zu steigen und die Hauptfigur kräftig durchzuschütteln, überkommt den Zuschauer wohl auch in PETTING ZOO. Die 17-jährige Layla, berührend gespielt von Debütantin Devon Keller, würde es aushalten. Und weiter ihrer Wege gehen. Denn sie weiß wirklich, was sie will.
Weil es ihr gut geht? Kann man so nicht sagen! Aber sie hört auf sich und ihre Reflexe. Layla lässt Danny, der sie geschwängert hat, ebenso fallen wie ein weiteres Mal ihren Vater, der sich in nur einer einzigen echten Begegnung im Film als dreister Meister der Bigotterie entpuppt und damit klar wird, weshalb er in seinem Haus mit der Tochter nicht mehr rechnen kann. Auch der markige Chef, für den Layla in ihren letzten Ferien jobbt, sollte besser wegtreten, der übergriffige Onkel nicht minder. Allein die warmherzige, einfach um die Enkelin wissende Großmutter in ihrer bescheidenen Hütte am grünen Stadtrand von San Antonio/Texas ist für das stille, schmale, sture Mädchen ein echter Halt.
Das Begabtenstipendium für eher ärmere Schüler hat sie bekommen, ob sie das Studium auch antreten wird, steht in den Sternen. Doch Layla greift nach ihnen. Sie will es noch mehr, als zwei Verluste ihren Weg pflastern.
PETTING ZOO ist ein naturalistisches, Hoffnung stiftendes, genügsam im Beobachten schwebendes Drama im Stile Kelly Reichardts, das seine tiefer liegenden Themen nicht wie Banner vor sich her trägt. Nicht die autobiografischen Ansätze der in Berlin lebenden Regisseurin und Drehbuchautorin Micah Magee, nicht die System- und Gesellschaftskritik an ihrer Heimat USA, erst recht nicht die so starke Figur Laylas.
Vielleicht mag man sie dann doch nicht schütteln. Eher mitnehmen. Für einen Drink an der Bar und einen offenherzigen Moment am nächsten Tag.
Karl Kurz

Buch: Micah Magee

Regie: Micah Magee

Darsteller: Devon Keller, Austin Reed, Deztiny Gonzales, Kiowa Tucker

Kamera: Armin Dierolf

Produktion: The Match Factory, Makrorama, haosfilm, dffb, Johan Carlsen, Friederike Sophie Steinbeck, Athina Rachel Tsangari, Michael Weber

Bundesstart: 19.05.2016

Start in Dresden: 19.05.2016

FSK: ab 12 Jahren