TRAILER

Kundschafter des Friedens

Komödie, Deutschland 2016, 93 min

Na da hör ich doch schon wieder die gauckschen Zuspätoppositionellen und altbundesländlichen Genauwisserwessis, die hinter Robert Thalheims Film die wieder aufflammende Verherrlichung eines Unrechtsstaates und dessen Genossen der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des Ministeriums für Staatssicherheit wähnen. Ja liebe Erregt_Innen, es war nicht alles gut in der DäDäRäde, aber die Cowboys im Wilden Westen haben glaub ich mehr Indianer abgeknallt, als die HVA in den ganzen 39 Jahren ihres Bestehens und keiner hat ein Problem mit lustigen Cowboyfilmen oder dem alljährlichen Karl-May-Fest-Eidideidi in Radebums. Genau 53 Jahre nach dem ersten DDR-Agententhriller »For Eyes Only« wird dieses einzigartige Genre nun wieder zum Leben erweckt, ja und keine Bange »Kundschafter des Friedens« ist alles andere als die historisierende Verklärung des Auslandsnachrichtendienstes der DDR, sondern vielmehr eine filmische Agentenoperette, die mal ordentlich und voller Lust auf den Klischee-Pudding voller Stereotypen haut.
Jochen Falk (Henry Hübchen) ist ehemaliger DDR-Agent und wird unerwartet vom BND zu einem Sechs-Augen-Gespräch gebeten. In der einstigen Sowjetrepublik Katschekistan (bitte nicht googeln, gibt es eh nicht) droht der Friedensprozess zu scheitern, da der designierten Präsident zusammen mit dem auf ihn Obicht geben sollenden, ebenfalls nicht mehr ganz taufrischen BND-Agenten Frank Kern (Jürgen Prochnow) entführt wurde. Nun hat Falk ob seiner damaligen Auslandseinsätze, vor allem in dieser brüderlichen Region einfach mal die besseren Kontakte und Kern ist ausgerechnet der Mann, der Falk damals vor über 30 Jahren enttarnt hatte. Da gilt es, schlicht und ergreifend noch einmal ein gepflegten Goldbroiler zu rupfen. Falk willigt in die Bitte des Bundesnachrichtendiensten ein, in der Sache behilflich zu sein. Natürlich auch, um den „Amateuren“ vom BND mal richtig zu zeigen, wo James Barthel den Most holt. Falk lässt dann Clint Eastwoodmäßig den Space Cowboy raushängen und macht zur Bedingung, die Operation nur mit seinem alten Team durchführen zu können. Da dem BND keine weiteren Alternativen zur Wahl stehen, willigt er zahnschmelzsplitternd ein. Und so werden der Bastler Jacky (Michael Gwisdek), das Organisationswunder Locke (Thomas Thieme) und der Gigolo Harry (unser aller Winfried Glatzeder) aus dem Ruhestand gebeten und wieder reaktiviert. Da man aber der sozialistischen Altherrenriege nicht ganz über den Weg traut, stellt man ihr die Analytikerin und Tochter Frank Kerns Paula (Antje Traue) zur Seite, die sich auch endlich mal im Außeneinsatz beweisen will. In Katschekistan angekommen, müssen die betagten Herren dann jedoch feststellen, dass sich die Welt nach Beendigung des Kalten Krieges doch ziemlich verändert hat und ihre Mission zunächst erst einmal aus allen Latschen zu kippen droht. Hier treffen digitale auf analoge Welten und scheinen sich irgendwie nicht vereinen zu wollen, bis sich das Team auf seine alten und auf echte Handarbeit basierenden Fähigkeiten des Agentenwerks besinnen. Prädikat: Fetzig!
Ray van Zeschau (Nach dem Kleine-Welt-Phänomen: Eine Person zu Markus Wolf)