TRAILER

Manchester by the Sea

Drama, USA 2016, 138 min

Gestorben wird im amerikanischen Kino beträchtlich. Im dritten Film von Kenneth Lonergan geht es jedoch weder um tödliche Action noch um Schlachtengetümmel. Vordergründig steht hier der Verlust eines Bruders und Vaters im Mittelpunkt, ferner die etwas holprige Annäherung zweier naher Verwandter. Soweit die raue See. Unter der Oberfläche handelt das Drama von der Schwierigkeit, dem Leben nach einem schweren Trauma wieder einen Sinn zu geben. Joe (Kyle Chandler) leidet an einem schwachen Herzen und wenn er stirbt, hinterlässt er seinem Bruder Lee (Casey Affleck), sowie seinem 16-jährigen Sohn Patrick (Lucas Hedges) das ""Projekt"" einer gesetzlich notwendigen Vormundschaft. (Patricks Mutter taucht einzig in Rückblenden auf, ihr Verbleib bleibt erstmal vage). Zu Beginn erhält Lee wegen seines Bruders Joe einen Anruf vom Krankenhaus. Vor Jahren kehrte Lee seiner Heimatstadt nach einer gescheiterten Ehe und nach einem noch viel tragischeren Ereignis den Rücken. Nun lässt er alles stehen und liegen, den Hausmeisterjob und sein halbwegs verkorkstes Leben, und eilt zurück ans Meer. Wo Joe bereits gestorben ist. Von einem Moment zum nächsten muss sich Lee Situationen stellen, vor denen er es immer vorgezogen hatte davon zu laufen. In Manchester by the Sea warten das Sorgerecht für Patrick auf ihn, Erinnerungen an die glückliche Zeit mit seiner Frau Randi (Michelle Williams) und die ganz normale Achterbahnfahrt der Emotionen, die in jeder Familie auf den Tod eines Menschen folgt. Feinsinnig und unspektakulär widmet sich die Handlung der Kontaktaufnahme zwischen Neffe und Onkel. Soweit die ruhige See. Verschiedene Rückblenden lassen langsam erahnen, dass zwischen Lees Leben von damals und dem von heute noch ein weiteres, einschneidendes Ereignis verborgen liegt. Eine Sturmflut, ein Tsunami. Seither quält er sich durchs Leben. Den charmanten Witzbold, der er einmal war, hat er an diesem Tag ertrinken sehen.
alpa kino