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Die feine Gesellschaft

Komödie, Frankreich/Deutschland 2016, 123 min

Atlantikküste 1910: Wie jedes Jahr versammeln André van Peteghem (Fabricé Luchini) und dessen Frau Isabelle (Valeria Bruni Tedeschi) ihre leicht degenerierte Verwandtschaft in der Familienvilla an der Côte d'Opale. Für Billie, den Sohn von Andrés Schwester Aude (Juliette Binoche), wird diese Sommerfrische zu einer aufregenden Entdeckungsreise. Der Junge hantiert gerade ernsthaft mit seinem Geschlecht. Pardon…, er ist sich noch uneins darüber und reist als Mädchen an. Den Fischerjungen Ma Loute hält diese Unentschlossenheit nicht davon ab, sich in Billie zu verlieben. Doch die ungleiche Romanze wird überschattet von weitaus tragischeren Ereignissen. Zwischen der feinen Gesellschaft oberhalb der Küste und den Austernsammlern unterhalb entspinnt sich eine unappetitliche Farce. Die oben werden seit geraumer Zeit dezimiert, etliche Ausflügler verschwinden spurlos, und die unten geben sich ahnungslos. Schließlich verdienen die Muschelleute an den erholungssüchtigen Städtern ein ordentliches Zubrot. Getragen werden müssen diese, um trockenen Fußes durch den Schlick zu gelangen. Im Fokus der polizeilichen Ermittlungen stehen die Brufots, die Sippe von Ma Loute, deren Familienoberhaupt durchaus ein Cousin zweiten Grades sein könnte von jenem Monsieur Clapet, welcher in »Delicatessen« einst das Beil geschwungen hatte. Genüsslich schmatzend inszeniert Regisseur Bruno Dumont diese pittoreske Posse immer am Rande des guten Geschmacks und seine namhaften Darsteller sorgen für ordentlich Hysterie vor der Kamera. Wo eine von Inzest geplagte Bourgeosie buchstäblich aufgefressen wird vom hungrigen Proletariat. Angetrieben vom unzulänglichen Geschick der Vorsehung. Wie in einem Traum von Luis Buñuel. Oh ja, das hätte dem Spanier gefallen. Fressen und gefressen werden. Und nur die Liebe siegt.
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