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Ein Kuss von Beatrice

Drama, Frankreich 2017, 117 min

Zwei Frauen, zwei Lebensarten, zwei Welten in Paris, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Die fünfzigjährige Hebamme Claire ist pflichtbewusst, scheu und äußerst korrekt. Sie liebt ihre Arbeit und hadert mit der bevorstehenden Umwandlung ihrer Klinik in ein hocheffizientes Geburtszentrum. Die siebzigjährige Beatrice hingegen ist eine voll auf Genuss gepolte, in den Tag hinein lebende Frau, die in ihrem Leben auf nichts verzichtet hat. Jetzt ist sie krank und sucht den Kontakt zu Claire, der Tochter ihres einstigen Lebensgefährten. Beatrice hat ihr Leben gelebt und keine Angst vor dem Tod, aber hin und wieder bräuchte sie etwas Hilfe. Claire ist schockiert, als Beatrice so plötzlich in ihr Leben platzt. Genauso spontan hatte sie vor mehr als 30 Jahren Claires Vater verlassen, der kurz darauf starb. Alte Wunden brechen wieder auf, Erinnerungen werden wach, eine neue Beziehung entsteht. Das Leben beider Frauen wird kräftig durcheinander gewirbelt. Auch in der Lebensmitte und im nahenden Finale lassen sich noch einige Karten neu mischen. Catherine Deneuve spielt die Beatrice als hinreißend schlampige Diva, die gern dick aufträgt (auch die Schminke) und stets die nächste Mahlzeit inclusive Rotwein im Auge hat. Dass sie unvergessliche Küsse zu geben imstande ist, traut man ihr ohne weiteres zu, ihr fabulöser Stil, ihr Auftreten hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Dieser Ausstrahlung kann sich auch Claire nicht entziehen, die unter Beatrices Einfluss zusehends auftaut. Catherine Frot (»Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne«) gibt ihrer Claire den verknitterten Charme einer regelkonformen grundanständigen Frau, die ihr subversives Potential nach und nach entdeckt. Auf ihren verschlungenen Wegen durch Paris und die Banlieue begleitet die Damen der Sound von Brel, Brassens und Serge Reggiani.
»Ein Kuss von Beatrice« ist elegantes französisches Kino vom Feinsten.
Grit Dora