Wir töten Stella
»Wir töten Stella« ist kein direktes Prequel zu »Die Wand«. Julian Roman Pölsler verfilmt eine weitere Vorlage der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer, eine Novelle um einen gutbürgerlichen Haushalt, eine Frau, ihren Mann und die Tochter einer Bekannten. Pölsler gelingt eine überzeugende Literaturverfilmung, in der er sehr elegant - durch Querverweise ins Salzkammergut - den Bogen zu »Die Wand« spannt.
Der Film erzählt auf zwei Ebenen. Anna (Martina Gedeck) berichtet von der Ankunft Stellas (Mala Emde) im Familienidyll und der folgenden Entwicklungen zu einem tragischen Familiendrama. Die zweite Ebene ist die Reflexion - das Nachdenken über das Geschehene. Stella, unerfahren und jung, geht ahnungslos ihrem Untergang entgegen. Richard (Matthias Brandt) verführt sie, seine Ehefrau Anna beobachtet die Affäre mit kühlem Blick. So wird Stella das Opfer einer kaputten, bürgerlichen Familienidylle, die mit allen Mitteln aufrecht erhalten werden soll. Annas Niederschrift der eigenen Mitschuld ist die beklemmende Bestandsaufnahme einer einsamen Heldin, Ehefrau und Mutter.
»Wir töten Stella« ist sehr sauber konstruiert, dabei ruhig und doch aufwühlend mit sehr präzisen Bildern erzählt. Die Besetzung erstklassig, wortkarge Professionalität. Die Erzählung von 1958 wird in das Hier und Heute transportiert, ohne zu aktualisieren. Für den Text und die Inszenierung sinnvoll, für die Akzeptanz des Zuschauers nicht unbedingt.
ak
Buch: Julian Roman Pölsler
Regie: Julian Roman Pölsler
Darsteller: Martina Gedeck, Mala Emde, Matthias Brandt, Katja Bellinghausen, Nicole Beutler, Julius Hagg, Thomas Kahry, Anna Starzinger
Kamera: Jrp Artman, Walter Kindler
Produktion: Epo-Film, Dieter & Jakob Pochlatko, Julian R. Pölsler
Bundesstart: 18.01.2018
Start in Dresden: 18.01.2018