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Die Wunderübung

Komödie, Österreich 2018, 90 min

Joana (Aglaia Szyszkowitz) und Valentin (Devid Striesow) sitzen in der U-Bahn, kein Mensch käme auf die Idee, sie für ein Paar zu halten. Sie sind auf dem Weg zu einer Paar-Therapie, zu der sie die gemeinsame Tochter verdonnert hat. Noch bevor sie die Praxis erreichen, beginnt man den armen Therapeuten zu bedauern, der sich der Sache annehmen wird. Die Waffen sind scharf, die ungedeckten Stellen bekannt, die Treffsicherheit hoch. Beide kennen sich lange genug, um ihren täglichen Kleinkrieg vor einem Dritten mit geschliffener Virtuosität auszutragen.
Der Therapeut (Erwin Steinhauer) amüsiert sich zunächst auf routinierte Weise, schaut dann zunehmend verzweifelt auf seine Schuhspitzen, als er das Ausmaß der Katastrophe erkennt und ruft schließlich erschöpft eine Kampfpause aus.
Danach dreht sich der Plot noch einmal - wenig überraschend, aber wirkungsvoll.
Dem Vergnügen am vorgeführten Streit und Leid von Paaren, in denen man sich selbst wiedererkennen mag, tut die Vorhersehbarkeit keinerlei Abbruch.
Wie war das noch? Die Verständigung zwischen Frau und Mann basiert im günstigsten Fall auf produktiven Missverständnissen? Sind Therapeuten klüger als ihre Klienten? Loriot, der Klassiker der filmischen Paartherapie, hat diese Fragen glänzend in Szene gesetzt, ebenso Polanski in »Der Gott des Gemetzels«.
Regisseur Michael Kreihsl, der Daniel Glattauers Stück auf die Bühne brachte, lässt sich von den großen filmischen Fußtapfen nicht ins Bockshorn jagen und überzeugt in der filmischen Version mit souveräner Personenführung. Szyszkowitz, Striesow und Steinhauer spielen exzellent, die Einheit von Ort, Zeit und Handlung sorgt für maximale Konzentration - ein großes bissiges Vergnügen.
Grit Dora