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Talking Money - Rendezvous bei der Bank

Dokumentation, Deutschland/Schweiz 2017, 87 min

Regissuer Sebastian Winkels fragte weltweit bei 180 Banken an, ob er Kundengespräche dokumentieren dürfe. Er erhielt ca. 100 mal Schweigen und 80 mal Absagen. Dass er trotzdem einmal um die Welt fuhr und scheinbar wahllos Kreditgespräche zwischen Kunden und Angestellten von Banken aneinander reihen durfte, scheint ein kleines Wunder zu sein. Dabei wählte er das Segment Micro- oder Kleinkredite, wo Menschen mit laufendem Einkommen einfach einen Vorschuss erfragen, sich Wünsche erfüllen oder anstehende Geschäfte abwickeln wollen. Es sind also die ganz normalen Geldgeschäfte auf Augenhöhe. Winkels setzt sich mit seiner Kamera quasi auf den Schoß des Bankberaters und zeigt konsequent jeweils nur den Bankkunden vor dem Schalter. Auch verzichtet er dabei auf eine genaue Verortung, weil die abrupte Gegenüberstellung eines westafrikanischen Bankgespräches und einer entsprechenden Unterhaltung in Georgien oder Indien das Wesen jener monetären Beziehung sehr viel deutlicher herausstellt. Die Bittsteller müssen nun gerade nicht wie bei Shakespeare 'ein Pfund ihres Fleisches' als Sicherheit bieten, doch mit der Zeit fragt man sich, wieso Banken an der Basis eigentlich so knausrig sind. Während sie an anderer Stelle Finanzmittel mit größtmöglichem Risiko einsetzen. Mit diesem Wissen im Hinterkopf entdeckt man in dem hier abgebildeten Mikrokosmos schnell das Wesen des Kapitalismus, aber auch die 'normale Ungleichbehandlung', wie man sie aus der Gesellschaft kennt. Hast du was, bist du was. Einem finanziell bestens ausgestatteten Kunden gäben Geldverleiher eine Summe X sofort in die Hand. Doch hier werden Sicherheit und Rendite plötzlich derart groß geschrieben, dass man sich als Kunde vollkommen entblößen muss. Genauso erlebte es Sebastian Winkels einstmals selbst und beschloss, die Zuschauer genau in solch eine Situation zu entführen.
Alpa Kino