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Birds of Passage - Das grüne Gold der Wayuu

Drama, Kolumbien 2018, 125 min

Es gilt als ausgemacht, dass die Gier eine von jenen menschlichen Sünden sein wird, die unserer Gattung dereinst einmal das, bis dahin evolutionär bevorteilte Genick brechen wird. Diese Geschichte erzählt Anfang der Siebziger Jahre exemplarisch, wie eine kolumbianische Großfamilie aus dem Wayuu-Volk von der Gier einzelner Mitglieder zerrieben wird. Zu Beginn begehrt Raphayet (Jose Acosta) nur die Hand der schönen Zaida (Natalia Reyes). Für deren Mutter Ursula (Carmina Martinez) steht fest, dass Raphayet der falsche Mann ist - nicht nur für ihre Tochter, sondern auch für ihren Clan. Daher erhöht sie den üblichen Brautpreis auf 50 Ziegen und 20 Kühe, nebst beträchtlichem Geschmeide, was Raphayet nur noch mehr anstachelt. Zufällig erkennt Raphayet in der Marihuana-Gier amerikanischer Geheimdienst-Hippies ein willkommenes Geschäft und steht sehr bald wieder bei Ursula auf der Matte; Raphayet nimmt Zaida zur Frau und das Unglück seinen Lauf …
Von Beginn an lässt das kolumbianische Regie-Paar Cristina Gallego und Ciro Guerra (»Der Schamane und die Schlange«) in seiner liebevoll komponierten Bilderorgie keinen Zweifel daran, wie böse alles enden wird. Ohne große Brüche würde ihre Geschichte als Prequel zu »Narcos« durchgehen. Bedenkt man Kolumbiens Drogengeschichte, verleiht dieses Wissen dem Film ein ordentliches Maß Brisanz; hilflos schaut man zu, wie alles vor die Hunde geht. Bald wimmelt es in Raphayets Reihen nur so von windigen Typen und auch sein Cousin Aníbal (Juan Martínez) umgibt sich nicht gerade mit Ehrenmännern. Blut, Geld & Verrat regieren und niemand hört mehr auf die jahrhundertealten Weisheiten, welche dem Volk der Wayuu bisher die Existenz sicherten. Glaubt man Ursula, liegt hierin der Untergang begründet; nur die Familie führt zu Ansehen, Ansehen zu Ehre und nur wo Ehre ist, gilt das Wort. Gallego und Guerra verweisen erneut auf den Konflikt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Ehrenmännern und Kapitalisten, zwischen Gunst und Gier.
Alpa Kino