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Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot

Drama, Deutschland/Frankreich/SChweiz 2018, 172 min

Einer der ungewöhnlichsten Beiträge der Berlinale war der deutsche Spielfilm »Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot« des Regisseurs Philip Gröning. Dieser konnte mit eher kopflastigen Filmen wie »Die große Stille« und »Die Frau des Polizisten« bereits ein intellektuelles Publikum für sich gewinnen. Auch sein neuestes Werk ist, nach eigener Aussage, eine „Zumutung” und fordert den Zuschauer durch seine ungewöhnliche Inszenierung und die stark philosophische Tendenz heraus. Der Film erzählt die Geschichte der beiden Zwillinge Robert (Josef Mattes) und Elena (Julia Zange), welche sich an einem heißen Sommertag auf eine Wiese zurückziehen. Dort lernen sie für Elenas Abiturprüfung in Philosophie zum Thema Zeit. Der einzige Kontakt zur Außenwelt für die nächsten 48 Stunden ist die nahegelegene Tankstelle. Ansonsten bleiben sie unter sich: lernen, philosophieren, reden über Zuneigungen und kommen sich schlussendlich auch nahe. Für seine Geschichte lässt sich der 59-jährige Regisseur und Autor Gröning genau 174 Minuten Zeit und verzichtet dabei fast vollständig auf Narration, bis zu dem überraschend in seiner Intensität gesteigerten Ende. Doch bis dahin lässt er die beiden scheinbar frei über das Thema Zeit mit all ihren Auswirkungen diskutieren. Angeschnitten werden auch Themen der Identität und schließlich geht das Theoretisieren ins Experimentieren über. Wer sich Zeit nimmt und sich darauf einlässt, wird hier einen philosophischen Film finden, der die Gedanken bestimmt anregt. Freunde des intellektuellen, nicht unbedingt leichtfüßigen Kinos werden »Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot« als Erweiterung ihrer cineastischen Erfahrungen zu schätzen wissen.
Doreen