Adam und Evelyn

Drama, Deutschland 2018, 95 min

Nach dem Roman von Ingo Schulze zeichnet der Film ein liebenswertes Porträt junger Menschen in der Ausnahmesituation des Wendesommers 1989. Eine Zeit zwischen Verführung und Begehren, Entschlossenheit und Verlust.
Adam, Fotograf und Schneider, und seine Freundin Evelyn planen, ihren Sommer am Balaton zu verbringen. Als sie ihn mit einer anderen erwischt, fährt sie ohne ihn nach Ungarn. Eine Freundin und deren Cousin aus dem Westen begleiten sie. Adam will die Lage retten und reist ihr hinterher. Als Ungarn unerwartet die Grenze zu Österreich öffnet, sehen die drei plötzlich ungeahnte Möglichkeiten.
Zwischen gelebten Träumen und der Sehnsucht nach einem unbekannten, freien Leben steht ihnen alles offen - Evelyn spürt große Hoffnung und möchte sich verändern, was Adam nicht braucht. Er ist von einem Neuanfang wenig begeistert. Ihm geht es in der DDR gut. Adam und Evelyn müssen sich entscheiden.
Der Film ist von magischer Ruhe getragen und mit viel Leichtigkeit erzählt. Die Hauptakteure haben immer etwas Lakonisches und sind sehr unaufgeregt. Die Menschen haben eine Menge Zweifel und sind skeptisch. Die politische Situation und der Mauerfall werden nicht dramatisiert und laufen im Hintergrund ab. Der Roman enthält sehr viele Dialoge, die der Film »Adam und Evelyn« auf wenige essentielle Gespräche reduziert, die dafür wie Nadelstiche daherkommen.
Der Film verzichtet bewusst auf typisches DDR-Requisitentum, „ .. weil die Dinge, die man da sieht, auch nicht der eigenen Erinnerung oder der eigenen Wahrnehmung entsprechen“, so Regisseur Andreas Goldstein. Endlich sagt es mal jemand. Ich kann mich auch nicht erinnern, in der DDR jemals eine ‘Go Trabbi Go’- Wohnung gesehen zu haben.
BSC