Zwischen den Zeilen

Drama/Komödie, Frankreich 2018, 107 min

Ein seltsames Doppelleben führt die Literaturbranche, gierig kostet sie die E-Book-Verheißung, kehrt erschrocken zurück zum vertrauten Rascheln des Papiers und buhlt gleichzeitig bei den Hörbuchproduzenten. Der Autor Léonard Spiegel (Vincent Macaigne), welcher seit Jahren all seine Affären zwischen zwei Buchdeckel zu packen pflegt, oraler Sex bekommt hier ein weißes Band verpasst, löst bei seinem Verleger Alain Danielson (Guillaume Canet) mit dem neuesten „Tatsachenroman“ sichtliches Unbehagen aus. Mag sein, der Mann fühlt sich bloß ertappt, weil er selbst mit der feschen Digitalisierungsbeauftragten ins Bett stieg. Mag sein, das freundliche Übernahmeangebot eines Telefonriesen käme dem Verleger gerade recht, und bald publizierte er lieber Tweets und Mails in Buchform. Womöglich hat Alain aber auch nur seine eigene Ehefrau Selena (Juliette Binoche) zwischen den Zeilen jenes Manuskriptes entdeckt, die seit sechs Jahren mit dem Autor verkehrt…
Genüsslich darf man den schwungvollen Dialogen lauschen und bei einem Bier alle Bibliotheken in Obdachlosenasyle verwandeln, darf nach dem Liebesspiel die Zunft der Literaturkritiker aufs Spiel setzen, oder beim Abendessen, en passant, Druckereien und Buchhändler vertreiben, um einen schlanken Literaturbetrieb zu installieren; vom Autor zum Leser in einem Klick. Und darf sich freuen über Juliette Binoches gelungenen Cameo-Auftritt.
Alpa Kino