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Der Glanz der Unsichtbaren

Komödie, Frankreich 2018, 102 min

Paris. Ein Frauenhaus kurz vor der Schließung. Die Anlaufstelle ist beliebt, doch die Ämter finden die Erfolgsquote der reintegrierten Frauen zu niedrig und streichen das Geld. Drei engagierte Sozialarbeiterinnen versuchen die obdachlosen Frauen in der verbleibenden kurzen Frist wieder in Lohn und Brot zu bringen. Sie improvisieren ein Bewerbungstraining und aktivieren die brachliegenden Fähigkeiten der Frauen. Beeindruckend, was alles zum Vorschein kommt. Noch beeindruckender, dabei zuzusehen, wie die „Unsichtbaren“ wieder aufblühen. Sie entwickeln Kraft und Glanz, nur eines fällt ihnen schwer: Ihre Vergangenheit zu verschweigen oder zu lügen.
Louis-Julien Petit gelingt es, seinen semidokumentarischen Film ohne Verklärung der Straße zu inszenieren, erlaubt sich aber einen guten Ausgang, getragen von dem Willen, dass die Frauen wenigstens im Kino eine Chance haben sollen. Die Besetzung, eine Mischung aus professionellen Schauspielerinnen und Frauen, die tatsächlich auf der Straße gelebt haben, gibt dem Film eine große Kraft und Ausstrahlung.
»Les Invisibles« setzt bei der Darstellung sozialer Ungerechtigkeit weniger auf Schärfe und Bitterkeit. Er stellt vielmehr Überlebensstrategien in den Vordergrund und setzt vor allem auf Humor. Der äußert sich schon in den Tarnnamen der Unsichtbaren. Trotz und Witz sind die Waffen von „Edith Piaf“ oder „Ladi Di“.
Ein berührender und trotz seines harmonischen Endes authentischer Film über persönliches Engagement und Durchhaltevermögen unter widrigsten Umständen und über Schönheit jenseits der Hochglanzgesellschaft. Ein Plädoyer fürs Hinschauen, statt fürs Wegschauen. Eine ungewöhnliche Komödie mit großer Strahlkraft.
Grit Dora