Ein ganz gewöhnlicher Held

Drama, USA 2018

Es ist kalt in Cincinnati, Obdachlose erfrieren. Und so beschließen die, die noch leben, dass sie nicht nur tagsüber in der öffentlichen Bibliothek ausharren, sondern abends auch nicht wieder gehen. Zunächst unfreiwillig geraten die Bibliotheksangestellten Stuart und Myra dabei zwischen die Fronten, denn der Sitzstreik ruft die Polizei auf den Plan. Doch bald wird Stuart zum Wortführer und Vermittler.
Charlie-Sheen-Bruder Emilio Estevez nimmt sich hier als Drehbuchautor, Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller eines Problems an, das auf den Straßen amerikanischer Städte evident ist: Die Zahl der Obdachlosen steigt, ihr körperlicher und seelischer Zustand verschlimmert sich, Notunterkünfte sind rar. Dass der Film dabei in den meisten Fällen ruhig und unaufgeregt bleibt, ist ein dickes Plus. Und selbst scheinbar eindimensionalen Charakteren wie Bürgermeisterkandidat Josh Davis, den Christian Slater mimt, gesteht der Film nachdenkliche Seiten zu, wenn man genau hinschaut. Aber »Ein ganz gewöhnlicher Held«, dessen englischer Originaltitel »The Public« passender erscheint, kommt nicht ohne ein paar Hollywood-Stereotype aus: Es braucht einen Helden, der die Schwachen unterstützt. Der Held hat selbst Probleme. Und nebenbei findet er auch noch die Liebe. Das mag vielleicht etwas viel sein für zwei Stunden. Allein Estevez‘ Versuch aber, die desolate Lage obdachloser Menschen ins Bewusstsein zu rücken, ist schon aller Ehren wert.
Nadine Faust