TRAILER

Es gilt das gesprochene Wort

Drama, Deutschland 2019, 122 min

Stichwort Scheinehe. Marion (Anne Ratte-Polle) ist Pilotin - selbstständig, unabhängig, gewohnt, Ansagen zu machen. Bei einem Urlaub mit ihrem (verheirateten) Freund Raphael (Godehard Giese) in der Türkei lernt sie ­Baran (Arman Uslu) kennen, der sich sein Geld als Tellerwäscher und Gigolo verdient. Er spürt schnell, dass Marion sich für ihn interessiert und lässt nichts unversucht, sie zu überreden, ihn mit nach Deutschland zu nehmen. ­Marion ist diejenige, die die Regeln festlegt, und vielleicht will sie das ­Raphael einmal sehr deutlich zeigen. Sie heiratet Baran, einfach weil sie es kann. Nach drei Jahren, so die Absprache, werden sie sich trennen, dann hat ­Baran Bleibe­recht. Beide geben sich cool. Baran bekommt eine eigene kleine Wohnung und da sie nun verheiratet sind, entwickelt sich für beide über­raschend eine Bindung. Sie gehen aufeinander zu, es gibt Rückschlage und schließlich eine schwere Krankheit, die wieder alles verändert. Wie werden sie mit den Folgen umgehen?
Regisseur Ilker Çatak setzt ganz auf die Präsenz seiner Schauspieler. Deren Spiel ist die Antithese zum Titel des Filmes, diesem Regelsatz aus dem Eheschließungsritual. Nichts, was in den spärlichen Dialogen verhandelt wird, ist wirklich von Bedeutung - das unausgesprochene zählt. Die wunderbare Anne Ratte-Polle zeigt eine spröde, unterkühlte Frau, die sich wenig Weichheit gestattet, aber spürbar Sehnsucht hat. Arman Uslu spielt virtuos mit den Widersprüchen seiner Figur - Baran ist der Abhängige, das widerspricht seinem Selbstbild als Mann. Mal reagiert er einfühlsam, dann frech, immer ganz auf seine Umgebung bedacht, weil er derjenige ist, der sich Autonomie nicht leisten kann. Das nagt. Ein schöner leiser Film, in dem es auf alltägliche Weise für alle ums Ganze geht.
Grit Dora