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Was gewesen wäre

Drama, Deutschland 2019, 90 min

Ein frisch verliebtes Paar Ende vierzig auf dem Weg nach Budapest. Die Ärztin Astrid hat Paul als Patienten kennen gelernt, er hat sich bald um sie bemüht. Jetzt also der erste gemeinsame Trip, ein ungestörtes Wochenende zu zweit, Astrids Kinder sind beim Vater. Paul hat im einst so glanzvollen, inzwischen recht bröckeligen Gellert-Hotel gebucht, nicht wissend, dass es sich für Astrid um vermintes Gelände handelt.
Nach einer kurzen Verstimmung die nächste Überraschung im Speisesaal. Sie treffen auf zwei Brüder, einer der beiden ist Julius - Astrids Jugendfreund, ihre erste große Liebe.
In Rückblenden offenbart sich die Geschichte dieser langen Jugendliebe, die 1986 im Nordosten Deutschlands beginnt und auch durch die deutsch-deutschen Besonderheiten ihren finalen Knick erfährt. Dennoch bleibt offen, ob Julius und Astrid nicht ohnehin aneinander gescheitert wären - an Astrids Verbundenheit mit der Heimat, an Julius wandelbaren Gefühlen, am Leben eben. Gregor Sanders Buchvorlage glänzt mit atmosphärischer Dichte, Präzision und Offenheit. Das Gedankenspiel, was gewesen wäre, belebt die totdiskutierte und mit Zuschreibungen überladenen Vorwende- und Wendezeit in der DDR, macht den Alltag auch für Nachgeborene anschaulich, nachvollziehbar, exemplarisch.
Im Film überzeugen vor allem Christiane Paul und Roland Zehrfeldt als Astrid und Paul mit ihrem reifen, unprätentiösen Spiel - zwei Menschen, die schon viel hinter sich haben und dennoch die Kraft, sich aufeinander einzulassen. Neben der Beziehungsgeschichte gibt Regisseur Florian Koerner von Gustorf dem ungarischen Zeitgeschehen unaufdringlich Raum. Er verwebt, was gewesen wäre, mit der Frage, was in Bälde gewesen sein wird, die Frage nach Gestaltungsspielräumen und Willen zur Veränderung.
Grit Dora