Die Wache
Absurdität des Alltags. So könnte man Quentin Dupieux‘ Film »Die Wache« am ehesten beschreiben. Wobei Absurdität durchaus als sein Markenzeichen genannt werden kann. In den 90ern wurde er als Mr. Oizo mit dem Elektronik-Song »Flat Beat« bekannt, wofür er auch gleich selbst das Musikvideo mit dem gelben Stofftier Flat Eric drehte. Seit Anfang der 2000er-Jahre macht er Filme, und da ist vom mordenden Autoreifen bis zur Killerlederjacke alles dabei. »Die Wache« könnte man im Vergleich dazu schon fast als »normal« bezeichnen.
Im Zentrum stehen Hauptkommissar Buron sowie Louis Fugain, den er verhört. Letzterer hat eine Leiche gefunden und soll über die Situation Auskunft erteilen. Das Problem: Die Zeit schreitet voran und Fugain hat Hunger. Doch zum Glück hat Buron noch einen alten Schokoriegel im Schreibtischschubfach versteckt und kann die Befragung in der klaustrophobisch fensterarmen, in 70er-Jahre Beige- und Brauntönen gehaltenen Wache fortsetzen. Es ist die Banalität des Augenblicks, die Dupieux hier ins Skurrile gleiten lässt. Er meint das todernst und auch die Schauspieler verziehen keine Miene, wenn sie über Fernsehsendungen und Einkäufe diskutieren. Nur ab und an weicht Dupieux von dieser Strategie ab und baut Accessoires à la Killerlederjacke ein. Für 74 Minuten ist dieses Konzept durchaus unterhaltsam, viel länger hätte das Verhör aber nicht andauern dürfen. Dabei ist das Ende noch mal eine echte Überraschung.
Nadine Faust
Buch: Quentin Dupieux
Regie: Quentin Dupieux
Darsteller: Benoît Poelvoorde, Grégoire Ludig, Marc Fraize, Anaïs Demoustier, Orelsan, Philippe Duquesne, Jacky Lambert, Jeanne Rosa, Vincent Grass
Kamera: Quentin Dupieux
Musik: David Sztanke
Produktion: Atelier de Production, Cinefrance, Nexus Factory, Umedia, uFund, Mathieu Verhaeghe, Thomas Verhaeghe, Tanguy Dekeyser, Julien Deris, David Gauquié, Cédric Iland, Nadia Khamlichi, Etienne Mallet, Adrian Politowski
Bundesstart: 12.12.2019
Start in Dresden: 12.12.2019