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Vom Gießen des Zitronenbaumes

Drama, Frankreich/Deutschland/Kanada/Türkei/Palästina 2019, 97 min

Im Alltag gibt es Momente, da halten wir plötzlich inne und betrachten eine Situation, die so grotesk wirkt, dass wir stutzen. Dass wir uns fremd fühlen in der eigentlich vertrauten Umgebung. Wie Beobachter in einer fernen Welt. Wenn der Nachbar zum Beispiel die Zitronen des eigenen Baumes klaut, so als wäre es ein Selbstbedienungsladen. Oder die Menschen in den Tuilerien sich um die Stühle streiten, als wäre es der letzte Sitzplatz der Welt. Oder Panzer wie selbstverständlich durch die Straßen rollen. Wie ein schlechtes Omen. Wie eine böse Ahnung.
Der palästinensische Filmemacher Elia Suleiman erschafft mit solchen Szenen in »Vom Gießen des Zitronenbaums« eine hoffnungsvolle Dystopie, eine tragische Komödie, eine absurde Realität. Er tanzt auf dem Grat zwischen der Wirklichkeit und deren Übertreibung. Oder ist es nur ein bewusstes Wahrnehmen, ein stilles Sinnieren? Er inszeniert sich selbst als nahezu stoischen Betrachter, der die Konflikte des Alltags, die Egoismen im Kleinen mehr beobachtet denn kommentiert. Und doch sind in seinem Blick mal überraschtes Erstaunen, mal unbewegtes Kopfschütteln, mal pures Entsetzen zu erspähen - nicht ohne einen Moment des lauten Lachens in Aussicht zu stellen. Humor ist schließlich immer eine Möglichkeit, Brücken zu bauen und Hoffnung zu geben. Auch in den Momenten, in denen alles verloren scheint.
mana