Promising Young Woman

Thriller, USA/GB 2020, 114 min

In meiner Uni-Zeit lief das Zwischenmenschliche so: Man sah sich im Seminar, ER grinste doof, SIE guckte weg oder, wenn man Glück hatte, lächelte sie zurück. Man plauderte danach und irgendwann gab’s ’n Kussi (und später vielleicht auch einvernehmlichen, kuscheligen, verschwitzten Sex). In den USA lief oder läuft das scheinbar anders: Dort trifft manN sich auf ’ner Verbindungsparty, sagt ihr, dass sie voll süß ist und träufelt ihr dabei ein paar K.O. Tropfen ins Glas und nach der Vergewaltigung fragt man, ob es für sie auch so schön war. (Kotz-Emoji). Rape culture nennt sich das und die Empörung darüber war der Vorläufer zur #metoo Debatte.
Cassie (Carey Mulligan) hat die Universität aber bereits hinter sich und arbeitet jetzt, nach dem sie ihr Medizinstudium geschmissen hat, in einer Kaffeebar. Eine nette, zierliche Frau in einem durchschnittlichen Leben. Nachts allerdings zieht sie durch Clubs und Kneipen und spielt das betrunkene Dummchen. Dabei findet sie immer wieder „hilfreiche“ Herren, die sie zum Auto oder gleich nach Hause bringen wollen und ihr dort aus den Kleidern helfen - ob sie nun wach ist oder nicht. Doch so zart wie Cassie aussieht, ist sie ganz und gar nicht und holt regelmäßig zum deftigen Gegenschlag aus. Eines Tages trifft sie aber auf Ryan (Bo Burnham), ein Mann aus ihrer Vergangenheit, als sie noch die „vielversprechende junge Frau“ auf dem Campus war. Und der scheint mal ausnahmsweise kein Arsch zu sein, fördert aber dunkle Wahrheiten aus früheren Tagen hervor.
Mitproduzentin ist Hollywoods neue Vorzeigefeministin Margot Robbie, die in ihrem eigenen missglückten Film »Birds of Prey«, gerade gezeigt hat, dass es nicht reicht zu sagen: Frauen sind cool, Männer sind doof. Im aktuellen Rache-Satire-Drama-Mix hat man sich hoffentlich mehr Mühe gegeben. Drehbuch und Regie kommen von Filmneuling Emerald Fennell, die bislang nur Kurzfilme veröffentlicht hat.
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