Public Enemies

Kriminal-Drama, USA 2009, 140 min

In diesem Film geht es nicht um einen einstmals berühmten Rapper, sondern um den wahrscheinlich smartesten amerikanischen Gangster der ersten Stunde und die Person, die das junge FBI als ersten zum Staatsfeind No.1 machte, John Herbert Dillinger (22. Juni 1903 - 22. Juli 1934). Da Herbert nicht unbedingt der coolste Zweitname ist, hat John den auch fix aus seiner persönlichen Anrede weggelassen. Ursprünglich hatte man dem notorischen Bankräuber das Prädikat moderner Robin Hood verpasst, welches aber doch nicht ganz seiner Obsession entsprach. Denn John Dillinger raubte zwar schon Banken aus und verschonte die anwesenden Bankkunden und ihre Portmonees, aber die Beute verteilte er keineswegs unter den Armen und Bedürftigen der amerikanischen Gesellschaft der 30er. Nun 75 Jahre nach seinem gewaltsamen Ableben als 31-Jähriger versucht Michael Mann mit dem 46-jährigen Johnny Depp, die über die Jahrzehnte zur Legende verklärten Person des John Dillingers wieder aufleben zu lassen. So etwas müsste mit Johnny Depp prinzipiell gut funktionieren, bleibt aber blöderweise irgendwie klemmen. Zu mindestens, wenn man davon ausgeht, dass dies ein Film von Michael Mann ist, der immer noch an seiner Megagranate »Heat« mit Robert de Niro und Al Pacino gemessen wird. Klar spult Johnny Depp wie gewohnt eine gute Leistung, gepaart mit verdammter Coolness ab, aber drüber hinaus bleibt sein Charakter in der Bemerkung „I rob Banks“ dann auch stecken. Denn wirklich mehr erfahren wir nicht über einen der berühmtesten Gangster Amerikas, der zig Banken erleichterte und für den ein Gefängnis offensichtlich auch kein Hindernis darstellte. So also reiht sich eine schmucke Ballerei an die andere und eine Verfolgungsjagd an die nächste. Das ist hübsch anzuschauen und flott gemacht, aber für einen Michael Mann etwas wenig. Hinzu kommt noch, dass im Gegensatz zu de Niro und Pacino in »Heat« hier kein ebenbürtiger Gegenspieler für Johnny Depp gefunden wurde und der hier eingesetzte Christian Bale als Dillingers Jäger Melvin Purvis gegenüber Depp total verblasst, was der historischen Figur in keinster Weise gerecht wird.
Trotz alledem ist »Public Enemies« natürlich ein guter Actionkracher im historischen Gewand, wo die Tommy Guns glühen, Männer noch wie ganze Kerle gekleidet sind und ordentliche Frisuren tragen. Zudem ist der Film äußerst kongenial ausgestattet, was dem einen oder anderen Auge doch ein Fest sein sollte. Abschließend sei noch erwähnt, dass John Dillinger nach dem Verlassen eines Kinos erschossen wurde. Also, immer schön Obicht geben beim Verlassen des Lichtspielhauses Ihrer Wahl.
Ihr gut gekleideter Ray van Zeschau