Die Chaoscamper

Komödie, USA 2006, 99 min

Na schau mal einer an, Robin Williams ist wieder mal zu sehen. Ohne Robin hätte ich bei dem Filmtitel eher an eine deutsche Ach-sind-wir-wieder-lustig-Produktion gedacht, so mit Ralle Richter und vielleicht Heinz Hoenig, der sich auch für ganz unersetzlich hält. Bob Munro (eben Robin Williams) hat eine kleine amerikanische Bilderbuchfamilie, so wie man sich das vorstellt. Frau (Cheryl Hines), Tochter (Joanna „Jojo“ Levesque) und einen Sohnemann (Josh Hutcherson). Ursprünglich hatten sich auch alle ganz lieb und wollten immer füreinander da sein. Nun aber hat der Alltag sie überrollt und die Kinder bzw. die Tochter die Pubertät. Was soviel heißt wie Papa geht zuviel schichten und was Papa macht, ist prinzipiell immer peinlich. Da wäre doch mal wieder Zeit füreinander angesagt, was in einem gepflegten Hulahula-Hawaii-Urlaub auch angedacht ist. Aber wie der amerikanische Mitbürger zu sagen pflegt: Forget It. Papa hat stattdessen ohne zu fragen ein monströses Wohnmobil gekauft, das kaum durch eine menschliche Hand beherrschbar und natürlich für Tochter Cassie oberpeinlich ist. Zu allem Überdruss geht´s dann auch nicht aufs sonnendurchflutete Hawaii, sondern um die Ecke nach Colorado, was für uns ungefähr vergleichbar wäre, als müssten wir an den Müggelsee fahren. Die nun anschließende Wahnsinnsfahrt mit hochbeleidigter Familie durch „Felsige Berge“ stellt die kleinste Zelle der Gesellschaft auf eine harte Zerreißprobe. Als die Munros auch noch auf eine Familie von Campingfaschisten trifft, scheint das Ausmaß sämtlicher Widrigkeiten nun endgültig im Sackbahnhof des Ertragbaren angelangt zu sein. Familie Gornicke mit ihrem Führer (hervorragend Jeff Daniels) drängen die schon hart geplagten Munros in so etwas wie einen Campingwettbewerb. Ihr eh schon versauter Nicht-Hawaii-Urlaub verkommt nun vollends zu ihrem persönlichen Pearl Harbour und das heißt nix anderes wie auch schon am 7. Dezember 1941: Krieg, der zusammenschweißt.
Ray van Zeschau