Cyrus - Meine Freundin, ihr Sohn und ich

Komödie, USA 2010, 91 min

Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht die Anderen und mit ihnen die Beziehungskatastrophen wären. So auch für John (John C. Reilly), den geschiedenen Pechvogel mit nur wenigen Sozialkontakten und einer langen Phase des Alleinseins. Doof genug, dass seine Ex-Frau gleichzeitig auch beste Freundin Jamie (Catherine Keener) ist. Die drängelt ihn mal wieder, und so begleitet er sie und ihren Verlobten Tim auf eine Party. Eine der üblichen langweiligen mit viel zu trinken. Trotz oder gerade wegen seiner entwaffnenden Ehrlichkeit lernt er dabei die attraktive und lebhafte Molly (Marisa Tomei) näher kennen.
Die Chemie zwischen den beiden stimmt und die Beziehung entwickelt sich regelrecht stürmisch. Bevor es aber bei ihr richtig los geht, sitzt da ein Mann auf dem Sofa und fragt, wer er, John, sei. Willkommen zu Hause - Cyrus (Jonah Hill), der 21-jährige übergewichtige und auch überanhängliche Sohnematz von Molly. Die beiden führen eine unkonventionelle, dafür aber sehr innige Beziehung. Der letzte Männerbesuch von Molly fand noch die Babyschuhe von Cyrus. Der ist mittlerweile groß, ein ungewöhnlicher New Age-Musiker, duscht noch mit Mutti und ist auch sonst ihr bester Freund…
Die erstaunlich realistische Komödie erzählt von einer ungewöhnlichen Mutter-Sohn-Beziehung, die im ersten Moment reichlich humoristisches Potenzial besitzt. Glücklicherweise entwickelt sich die Geschichte zu einer feinfühligen mit reichlich bitterbösen Passagen gespickten Erzählung über die Schwierigkeiten der Neuorientierung und des Kennenlernens. Eine unsentimentale Liebesgeschichte über zwei so gegensätzliche Rivalen, die um das Herz der gleichen Frau kämpfen und dabei doch beide genügend Platz darin finden könnten.
Das talentierte Duo Jay und Mark Duplass, Mitgründer der „Mumblecore Bewegung“, beweisen ihr Gespür für abgründiges aber auch warmherziges und intelligentes Kino über „die schmerzhaft witzigen Wahrheiten hinter modernen Beziehungen“. Mumblecore übrigens ist eine US-Filmindependent-Bewegung, die vorrangig auf minimalistischer Budgetbasis, digital, mit unbekannten Schauspielern, improvisierten Drehbüchern und viel persönlichem Einsatz Filme produziert. Zumindest Ridley Scott und Tony Scott sowie deren Produktionschef Michael Costigan fanden die visionären Ansätze von Jay und Mark Duplass so viel versprechend, dass sie die Produktion übernahmen und das Tor Richtung Hollywood weit aufstießen.