Elisabeth Kübler-Ross - Dem Tod ins Gesicht sehen
Irgendwann, da fasste sie den Entschluss, Sterbende auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Sie, Elisabeth Kübler-Ross, 1926 in Zürich geboren, nach dem Medizinstudium 1958 wegen ihres Mannes in die USA übergesiedelt. Ihr 1969 erschienenes Buch »On Death and Dying«, in dem sie als Ärztin, Wissenschaftlerin und Autorin das Sujet Sterbebegleitung überhaupt erst gesellschaftlich thematisierte, sorgte weltweit für Furore. Elisabeth Kübler-Ross gab Workshops und hielt Vorträge in aller Welt, wurde mit insgesamt 23 Ehrendoktortiteln gewürdigt, war aber auch heftigen Angriffen ausgesetzt. Sie wurde als Esoterikerin abgestempelt und ob ihrer Theorien angefeindet.
Stefan Haupt beleuchtet dieses Für und Wider, er interviewt die Schwestern der prominenten Frau, stellt Archivmaterial neben jene Gespräche, die er mit der 76-jährigen in ihrem Haus führte, fernab der Zivilisation in der Wüste Arizonas, einsam, verlassen auch. Dort wartet Elisabeth Kübler-Ross auf ihren eigenen Tod, gezeichnet von Schlaganfällen und eingeschränkter Beweglichkeit. Sie ist nunmehr selbst mit jenem Sterben, jener Endlichkeit konfrontiert, mit der sie sich ein Leben lang bei anderen Menschen beschäftigt hat.
Elisabeth Kübler-Ross hat sich verdient gemacht um die Enttabuisierung des Todes und des schwierigen, schmerzhaften Umgangs mit ihm. Sie hat gewissermaßen Pionierarbeit geleistet. Ohne sie wäre wohl die junge internationale Hospizbewegung nur schwer vorstellbar, gäbe es vielleicht immer noch keine Sterbebegleitung, Hospizeinrichtungen, auch nicht in Deutschland.
“Der körperliche Tod des Menschen ist mit dem Geschehen identisch, wie wir es bei dem Heraustreten des Schmetterlings aus dem Kokon sehen können“. Ein Geschehen, vor dem der Mensch keine Angst haben müsse, denn „sobald man diesen Durchgang oder Übergang durch- oder überschritten hat, strahlt einem an dessen Ende ein Licht entgegen. Und dieses Licht ist weißer als weiß, ganz hell.“ Kübler-Ross stützt sich in ihren Todesanalysen und -beschreibungen auf hunderte erzählter Erlebnisse von Menschen, die bereits im Koma lagen und noch einmal zurückkamen. Stefan Haupts Film mag auf seine Weise mit dazu beitragen, dass über die Hospizbewegung, Sterbebegleitung und den Tod an sich mehr gesprochen wird. Ohne Berührungsängste.
Regie: Stefan Haupt
Darsteller: Elisabeth Kübler-Ross, Erika Faust-Kübler, Eva Bacher-Kübler, Rev. Mwalimu Imara, Audrey K. Gordon, Marianne New, Frances Luethy, Sue Miller, Harmon Moats
Kamera: Christian Davi, Jann Erne, Patrick Lindenmaier
Sprecher: Hans Peter Müller, Eleni Haupt
Musik: Klaus Wiese, Peter Landis
Produktion: Fontana TV, SF DRS, SRG SSR, Stefan Haupt
Bundesstart: 31.07.2003
Start in Dresden: 23.10.2003