Der rote Kakadu

Drama, Deutschland 2005, 128 min

Der »Rote Kakadu« ist da. Fast die ganze Stadt hat darauf gewartet. Nicht bloß die beteiligten Komparsen, die Straßenbahnfahrer an der nachts gesperrten Bautzner Landstraße oder die (echten) ehemaligen Kakadu-Kellner. Dresden hat endlich seinen Dresden-Film im Kino. Einen der Spaß macht auf die Stadt. Zugegeben, die Ku-Damm-Szenen sind vom Ku-Damm und die Theater-Szenen stammen aus Zittau, doch getanzt wird in der echten “Kakadu-Bar“ am Weißen Hirsch, der Check-Point steht in Dresden-Plauen, und Siggi, Luise und Wolle treffen im Alaunpark zum ersten Mal aufeinander.
Siggi stammt vom Dorf und wohnt bei seiner Tante Hedy in Dresden. Für ihn ist diese Stadt riesig, man braucht sehr lange, um von einem Punkt an einen anderen zu kommen. Da trifft es sich gut, gleich zu Beginn ein paar junge Leute kennen zu lernen, die genau wissen, wo man in Dresden etwas erleben kann. Rock’n’Roll im Stadtpark. Ohne Musik. Statt dessen geben VoPo’s mit ihren Gummiknüppeln den Takt an. Was zunächst noch aussieht wie Thai Chi im morgendlichen Alaunpark, verwandelt sich in einen rasanten Chaplin-Cop-Galopp. Spaß muss sein, und der darf auch was kosten. Siggi findet den Weg zum Weißen Hirsch, doch der Türsteher an der Kakadu-Bar weiß nichts von Siggis Sehnsucht, dieses Mädchen Luise unbedingt wiedersehen zu müssen. Wir schreiben das Jahr 1961, am 12. April kehrt Juri Gagarin mit Wostok 1 gerade aus dem Weltall zurück. In fünf Monaten wird dieses Land zugemauert. Luise schreibt Gedichte, steht mit beiden Beinen fest auf demokratischer Erde, dafür schwebt sie in den Wolken mit ihren Träumen. Planerfüllung, Frühsommer und Porzellanschmuggel nach Westberlin, auch in Siggis Kopf beginnt sich alles zu drehen. Den Soundtrack dazu spielt die Klaus-Schumann-Combo, denn endlich hat das Warten ein Ende. Siggi feiert mit Luise und deren Mann Wolle im Roten Kakadu. Drehbuchautor Michael Klier und Regisseur Dominik Graf brauchen eine gute Stunde, um eine Melodie zu formen, die ersten sechzig Minuten füllen sie mit vielen verschiedenen Strophen. Einige davon sind sehr gut recherchiert, andere klingen einfach nur schief, wie zu oft zitierte Pionierlieder. Nur ganz langsam kommt bei diesem Lied der Refrain in Gang; eine ziemlich wilde und vollkommen verrückte Liebesgeschichte zu dritt. Wolle, Vollwaise und “Held der Arbeit“ in der Schnapsbrennerei, macht bei jeder Gelegenheit mit anderen Weibern rum. Siggi kann dieses Wissen bei Luise nicht als Vorteil verbuchen, denn Luise weiß auch davon. Genauso wie sie Siggi den Kopf verdreht, hält sie zu ihrem Mann und verzeiht ihm gewisse Unerzogenheiten. Im Gegenteil, denn als Wolle bei einer Razzia im Kakadu von der Stasi verhaftet wird, beginnt für alle Beteiligten ein lebensgefährliches Spiel.
C. Fredo