The Children of Men

Science-Fiction, USA 2006, 108 min

Menschenskind, was ist bloß los in England 2027? Nur schlappe sechzig Winter nach der sexuellen Revolution droht Britannien auszusterben. Wo bei Huxley die staatlich überwachte Massenzeugung, -aufzucht und -konditionierung noch versprach, sich in eine schöne neue Welt zu verwandeln, schaut es heuer so aus, als hätte Orwell persönlich jede Gebärmutter verhaftet und zum Tode verurteilt. Die Situation ist hoffnungslos, denn seit gut zwanzig Jahren (aufgepasst, 2007 fängt es an) hat es niemand mehr für sinnvoll gehalten, Nachwuchs zu zeugen. Wie und warum, bleibt im Verborgenen, und wer Gefallen daran findet, darf also wild spekulieren, ob web 5.0, my tube oder einfach fish’n’chips die Schuld am globalen Spermozid haben werden. Der geistigen ist jedenfalls eine gewisse körperliche Erschlaffung gefolgt und Nihilismus feiert Renaissance. So auch bei Theo. Als er sich am Anfang des Filmes in einer Bar einen Kaffee holt und diese kurz nach Verlassen in die Luft fliegt, fragt er sich allenfalls, ob er den Zucker nicht vergessen hat und geht mit schlafwandlerischer Sicherheit ins Büro. Man erwartet geradezu, dass als nächstes eine Fliege auf Harry Tuttles Akte sterben wird. Doch statt dessen begegnet Theo ausgerechnet seiner Jugendliebe Julian, die ihn um einen gefährlichen Gefallen bittet. Ausgerechnet aus ihm, dem gewesenen Revolutionär und jetzt scheintoten Bürokraten will sie einen zukünftigen Märtyrer machen. Theo soll ihr helfen, eine gewisse Kee in Sicherheit zu bringen. Denn Kee ist schwanger und damit in höchstem Maße gefährdet, von radikalen Rentnern zur Heldin, von extremistischen Fanatikern zur Hexe oder von der Polizei schlichtweg zum Staatsfeind erklärt, in jedem Falle aber zu einer Gejagten gemacht zu werden. Alles sieht nach einem düsteren Road-Movie aus, quer durchs fortpflanzungsunfähige England. Als sei Kaiser Herodes auferstanden und auch dieses Mal wild entschlossen, das verheißene Kindlein noch in der Krippe zu ermorden. C. Fredo