Elizabeth - Das goldene Königreich

Historiendrama, Großbritannien/Frankreich 2007, 115 min

Die junge Königin Elizabeth I bekam den OSCAR nicht zu Füßen gelegt, da war Viola De Lesseps, liebestolle Komödiantin am Theater des Herrn Shakespeare, ein paar Blocks vom königlichen Hofe entfernt, damals viel besser dran. Jedenfalls errang 1999 Gwyneth Paltrow die Trophäe und die Herzen, während Cate Blanchett unterhalb der Krone ein wenig blass wirkte. Nun ja, bereits im sechzehnten Jahrhundert fiel es der pubertierenden Elizabeth schwer, das Volk zum Jubilieren zu bringen. Hier kommt der zweite Teil der höfischen Saga mit seinem Untertitel „das goldene Zeitalter“ gerade recht, um ein wenig mehr glänzen zu wollen als der Erstling.
Cate Blanchett trägt nunmehr Englands Krone stolz und züchtig, die Beine hält sie fest geschlossen und den Blick streng auf jene Neider und Intriganten gerichtet, die dem Prinzessinnenbalg nie und nimmer Krone und Hof gönnen würden. Einzig ihrem Vertrauten und wichtigsten Berater Sir Francis Walsingham kann und will sie trauen, wenn es um Englands Zukunft und auch um die ihrige geht. Denn seit sie gekrönt und „mit England vermählt“ ist, besteht ihr ganzes Leben einzig aus dem Wohl und Wehe des Empires. Bis der junge Walter Raleigh Zugang zu ihrem Herzen und Eintritt in ihre Gemächer sucht. Seefahrer und Pirat, Unternehmer und Geschäftsmann, noch dazu von stattlicher Gestalt und festem Charakter. Da wankt die Königin, ihr Busen bebt. Da muss sie stark sein, auch wenn Raleigh sie zunächst mit geklautem, spanischen Gold besticht, und sie später mit seiner legendären Loyalität einwickelt. Und wohl auch am Ende in seinen nicht weniger legendären Mantel. Doch diese Raleighs, Drakes und Hawkins sind es, was die Königin dringend braucht. Der spanische König Pilipp II steht mit seiner berüchtigten Armada bereit, um die Hinrichtung Maria Stuarts zu rächen und um England die protestantischen Flausen auszutreiben. Zwischen allerlei höfischem Firlefanz und der Verteidigung der königlichen Jungfräulichkeit gilt es, den anstehenden Krieg mit Spanien zu fechten. Cate Blanchett zu Pferde, welcher Regisseur kann sich dieser Verlockung widersetzen. Am Ende besiegen ihre flammende Rede und Drakes fackelnde Brander die drohende Invasion.
Dass die meisten dieser historischen Ereignisse stattfanden, als Elizabeth ihr fünfzigstes (!) Lebensjahr bereits vollendet hatte, mag man mit wohlwollendem Schmunzeln und königlicher Großmut hinnehmen. Zum Tausch für die kleinen historischen Schiebereien bekommt der Zuschauer ein farbenfrohes und ornamentales Prachtgemälde des elisabethanischen Zeitalters vorgeführt, in welchem sich Clive Owen und Cate Blanchett recht stattlich ausnehmen. Ihnen zur Seite stehen der bärtige Geoffrey Rush als Walsingham und die kopflose Samantha Morton als die Stuart. Man darf also gespannt sein, ob es die jungfräuliche Queen diesmal schafft, zur englischen auch noch die amerikanische Krone, den Oscar, hinzu zu gewinnen.
W. Larsen