Bank Job

Thriller, Großbritannien 2008, 110 min

Gleich vorweg, »The Bank Job« handelt nicht von einer alten vergessen geglaubten und auf wundersame Weise wiederentdeckten sexuellen Praktik aus dem Dresdner „Großen Garten“ sondern um die, man mag es kaum glauben, Rückbesinnung des guten alten Bankraubfilmes aus den 70ern durch den australischen Regisseur mit britischem Pass Roger Donaldson (»Dante's Peak«). Ein Thriller, der im besten Sinne zunächst altbacken daherkommt und reiferen Herren wie mir, die die 70er noch erleben durften, ganz warm ums Herz werden lässt. »The Bank Job« basiert locker auf einem in dieser Zeit tatsächlich in England spektakulär verübten Bankraub, der aber vier Tage später, trotz der 500.000 fehlenden Pfund, von der britischen Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit zum Top-Secret-Ding gemacht wurde und bis heute im unklaren ließ, was damals eigentlich gelaufen war. Nun hätte Donaldson eine politisch hochbrisante Verschwörungskiste a la Oliver Stone daraus machen können, hat er aber nicht, was ihm auch gleich von ein paar gesellschaftsbewussten Filmkritikerheinis angekreidet wird. Donaldson „beschränkt“ sich eher auf sauber gearbeitetes Kino und lässt die Politik im Prinzip erstmal einen guten Mann sein. Da eh kaum etwas über die wahren Hintergründe herauszubekommen war, bedient man sich halt der nahestehendsten Möglichkeiten wie Korruption, Gangstertum und Unterleibsgeschichten des britischen Königshauses. Unerwartet wird der Gebrauchtwagenhändler und Freizeitkriminelle Terry Leather (The-Transporter-Haudrauf Jason Statham) von seiner schicken Jugendbekannten Martine Love (Saffron Burrows) aufgesucht, die ihm den, was sonst, todsicheren Bruch in die Lloyds Bank schmackhaft macht. Solch fetten Nummern waren bisher nicht unbedingt Terrys Ding, aber in den einfach zu erreichenden Schließfächern sollen sich wie gehabt Geld und Juwelen im Wert von mehreren Millionen befinden. Leather beißt an Martines Haken. Nur eines weiß er nicht, dass seine schmucke Jugendfreundin für den innerbritischen Geheimdienst MI5 arbeitet, für den es um etwas mehr als nur Klunker und Moneten geht. Als Terry und seine flugs zusammengestellte Bruchtruppe bei der vom MI5 unbemerkt abgesicherten Robbery ein paar photographische Ablichtungen von Prinzessin Margarets Sexualleben mit zwei Herren entdeckt, checkt man, was eigentlich läuft. Dummerweise haben die Kleinkriminellen durch zu offenherzig geführte Walkie-Talkie-Gespräche jetzt nicht nur den Eigner der Fotos an der Backe, sondern noch eine Palette von Mitgliedern der High Society und des organisierten Verbrechens, die ebenfalls äußerst explosives Material in der Bank deponiert hatten. Spätestens jetzt ist für den Zuschauer und Terrys Team Schluss mit lustig und gemütlich heiterem 70er Retrotum. Nun reißt Roger Donaldson kräftig am Gashebel und Jason Statham darf wieder ordentlich Hiebe auf Gebiss und Gebein verteilen, um sich all das Ungemach vom Leibe zu halten. Schicke Sache das.
Ray van Zeschau