An Education

Komödie, Großbritannien 2009, 100 min

Anfang der sechziger Jahre war es für ein junges Mädchen durchaus üblich, mit einem etwas älteren, gut situierten Herren auszugehen, um von ihm die große weite Welt gezeigt zu bekommen. Solche Art von gesellschaftlicher Erziehung leistet heute allenfalls noch das Fernsehprogramm. In einem Londoner Vorort der 60er Jahre hat die blitzgescheite und nicht unattraktive Jenny (Carey Mulligan) dagegen kaum eine Wahl, will sie nicht wegen ihrer proletarisch angehauchten Herkunft alle Felle fort schwimmen lassen, die sich ihr in Sachen Bildungs- und Aufstiegschancen darbieten. Sie hätte das Zeug, um nach Oxford zu gehen und ihr liebender Vater (Alfred Molina) würde jeden Tag zweimal seine Haut dafür zu Markte tragen. Allerdings keimen Sehnsucht und Rebellion in der siebzehnjährigen Jenny auf, als sie dem weltgewandten Charmeur David (Peter Sarsgaard) begegnet, der sie auszuführen sucht. Und der wie ganz selbstverständlich mit der Schülerin an seiner Seite fortan immer öfter in seinem eleganten Freundeskreis auftaucht. Auf Jenny wartet ein prickelnder Schock, als sie in ein vollkommen fremdes, nicht minder verlockendes, schillernd buntes Universum eintaucht. Sie ertrinkt geradezu im Trubel bourgeoiser Amüsiersucht und kaum verhüllten Lasters, entwickelt schnell eigene Ansichten darüber und kostet ungeduldig vom Geschmack der großen weiten Welt. Sie geht vormittags zum Unterricht und genießt abends in sagenhaften Ausstellungen und sündigen Nachtclubs eine völlig andere Erziehung, wie sie nur außerhalb jedweden Klassenzimmers gelehrt wird und bereits einen sanft kreischenden Vorgriff auf die Swinging Sixties darstellt. Keine Frage, dass zwischen der jungen Frau, ihren neuen Freunden und dem einfachen Elternhaus ein emotionales Kräftemessen der ganz besonderen Art beginnt. Grandios zu Papier gebracht hat diese spannende coming of age Story Bestsellerautor Nick Hornby, der in Lone Scherfig die perfekte Regisseurin fand für einen atmosphärisch dichten Film, bei dem die heutige Fun-Generation noch was mitnehmen kann an Bildung.
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