Das Bildnis des Dorian Gray

Drama, Großbritannien 2009, 112 min

Fast schon biblisch ist der Stoff, aus dem Oscar Wilde seinen einzigen Roman verfasste, und entsprechend viele Verfilmungen erzählen von dem Jüngling mit dem göttlich schönen Antlitz und der ewigen Jugend. Von seinem ausschweifend lustvollen Leben, seinen herzlosen Verfehlungen und von der Tatsache, dass Dorian Gray von alledem in keiner Weise berührt scheint. Unversehrt wühlt er in den Abgründen des Lebens, beschmutzt seine Seele, ja verhökert sie bis zum jüngsten Tag und keine noch so blasse Narbe zeichnet sein Angesicht. Ganz anders ergeht es dem von ihm verfertigten Bildnis, auf dem sich die Würmer winden. Aber der Reihe nach. Eher zufällig gerät der junge Dorian unter den Einfluss von Lord Henry Watton, einem gebildeten, wohlhabenden und seelenlosen Dandy. Welcher den jungen Mann nach seinen Vorstellungen formt. Jugendwahn und Selbstverwirklichung, nebenbei ganz aktuelle Themen, münden hier in individueller Selbstentfaltung; nimm dir soviel du kriegen kannst und gib nichts davon zurück. Murmelt Mephisto Watton und weckt immer neue Begehrlichkeiten. Fein, fein, nur führen Narzissmus und Hedonismus unter Verachtung moralischer Schranken auf direktem Wege zu Egoismus und Dekadenz. Der ahnungslose Liebling der Londoner Aristokratie wird von Lord Watton auf ebendiese Abwege geschickt, bandelt mit der mittellosen Theaterschauspielerin Sybil Vane an, wird von Frauen und Männern zugleich begehrt und vom eifersüchtigen Maler Hallward auf ewig verflucht. Besser, das Bildnis Dorian Grays wird verteufelt und soll fortan den seelischen und körperlichen Verfall seines Protagonisten abbilden, ohne dass diesem ein Haar gekrümmt würde. Das haut selbst den coolsten Typen um, wenn er zwischen zwei Orgien im Hurenhaus gelegentlich einen Blick in den goldgerahmten Spiegel wirft und dort den Madenfraß in des Teufels Fratze erkennt. An der Schwelle zur ewigen Hölle stehend, sucht er nach Erlösung…