Der Dieb des Lichts

Komödie, Deutschland/Frankreich/Kirgisien 2010, 79 min

Ein Film aus Kirgisistan - muss man da speziell interessiert sein, um das zu mögen? Überhaupt nicht, zumindest nicht im Fall von »Der Dieb des Lichts«. Der Regisseur gewann 2008 mit »Beshkempir« unter anderem in Locarno einen Preis, damals nannte er sich Aktan Abdykalykov. Im aktuellen - ebenfalls schon mehrfach preisgekrönten - Film ist sein Name Aktan Arym Kubat und er wird als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller genannt. Was in den ersten Minuten fast wie ein folkloristischer Schwank daher kommt, weitet sich zum Drama und großem Kino aus: Alle lieben den örtlichen Elektriker Svet-Ake, denn er hilft beim Stromklauen. Natürlich nur denen, die sich Elektrizität sonst nicht leisten könnten. Doch er fliegt auf und ist seinen Job los. Sein heimlicher Traum ist es ohnehin, in dem windigen Tal Strom mit Windrädern zu erzeugen, so dass sich die verbleibenden Dorfbewohner, die noch nicht in die Stadt weggezogen sind, Strom leisten können. Für uns in Zeiten von regenerativen Energiequellen nichts Revolutionäres, aber Svet-Ake wird von allen Seiten ausgelacht. Immer wieder nimmt die Kamera die Glühbirne in den Fokus, die nicht brennen will, und das klapprige Windrad, das die meiste Zeit still steht - denn die innovative Erfindung ist noch gar nicht funktionstüchtig. Doch dann gibt es einen neuen Bürgermeister, der Svet-Ake bei seinen Plänen unterstützen will und mit ihm zusammen große Visionen entwickelt. Hier wird nun der Film zur politischen Parabel: Der naive und gleichzeitig so weitsichtige Svet-Ake gerät mitten hinein in die Interessen eines machtbesessenen Politikers, die Konflikte um Land und Herrschaft werden sehr deutlich benannt. Und das Problem ist nicht nur ein lokales, es fehlen die Strukturen im Land, das mitten im gesellschaftlichen Umbruch steckt.
Filmisch bleibt die Geschichte aber ganz poetisch und bildstark, voller Metaphern und gelungener Szenen, die das Gegenüber oder auch Gegeneinander von Menschen und Traditionen ausloten. Komik und Tragik liegen dicht nebeneinander, es dominiert ein verschmitzter, warmer Witz, der aber manchmal an der Realität zerschellt. Der Hauptdarsteller trägt den traditionellen Hut und stellt neben Fortschrittsdenken auch verschrobenen Aberglauben überzeugend dar. So lässt sich Svet-Ake einen elektrischen Schlag versetzen, um sein Problem des fehlenden männlichen Nachwuchses zu lösen.
Die Widmung am Ende lautet „für meine Enkel“, die politischen Ereignisse nach den Dreharbeiten geben Hoffnung: Nach Unruhen und einem Verfassungsreferendum ist Kirgisistan seit 2010 als erster Staat Zentralasiens eine parlamentarische Republik.
Petra Wille