Gefährten

Drama, USA/Indien 2011, 147 min

Steven Spielberg greift mal wieder ganz tief in die Gefühlskiste und vergrätzt wie gewohnt den pseudointellektuellen Kinogänger, der in der irrigen Annahme lebt, in der Welt gäbe es kein pathetisch kitschiges Melodram. Auch purer Spaß ist dieser Spezies zutiefst suspekt. Ich kann mich noch lebhaft an einen Besuch in den 80ern mit meinen Gefährten Rainer A. Schmidt und Wolf Götz Richter im Studiokino des Rundkinos erinnern. Es wurde »Das goldene Zeitalter« von Luis Buñuel gegeben. Zu 96 Prozent war der Saal mit Neustadtkunstkunden und HfbK-Schmuddelstudenten belegt. Wir drei waren dann auch die einzigen, die während der 60 Minuten herzhaft gelacht haben.
Beim hier vorliegenden Film geht es aber um Ersteres, dem kitschig dramatösen Melodram. Diese Charakterisierung soll aber in keinster Weise von mir negativ impliziert sein, da ich mir als scharf beobachtender Rezensent und ehemaliger Pferdebesitzer dieser Seite des Lebens durchaus bewusst bin und es auch gern in einem gut gemachten Film serviert bekomme. Das Herr Spielberg seit nunmehr fünf Jahrzehnten brillant auftischt, sollte wohl außer Frage stehen. Da »Gefährten« eine Kinderbuchverfilmung ist, hat das große Gefühlskino Spielbergs, trotz des ernsten Themas Krieg, sowieso eine hohe Berechtigung.
Joey ist ein Pferd und wurde von Albert (Jeremy Irvine), einem Jungen, großgezogen und trainiert. Die beiden verbindet eine tiefe und innige Freundschaft. Pferdebesitzer wissen, wovon ich schreibe. Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintritt, hat jeder seinen Beitrag zu leisten, und Alberts Vater muss zu Alberts Verzweiflung Joey an die britische Kavallerie zwangsverkaufen. Joeys bildgewaltige Odyssee durch das Schlachtfeld Europas beginnt. Doch Albert will und kann seinen Freund nicht vergessen und macht sich auf den Weg nach Europa, um Joey zu suchen. Dass Albert ihn finden wird, dürfte bei Spielberg wohl außer Frage stehen. Letzten Endes ist »Gefährten« aber auch eine Hommage an das Pferd selbst, das bereits seit Jahrhunderten für die Kriege der Menschen herhalten musste. Ein Film mit ganz großen Emotionen.
Ray van Zeschau (Reitlehrer, Schauspielstudio Dresden 1993-95)