Hannah Arendt

Drama/Biographie, Deutschland/Luxemburg/Frankreich/Israel 2012, 113 min

Ihr „Bericht von der Banalität des Bösen“ hatte sie Anfang der 1960er Jahre endgültig berühmt gemacht - und angreifbar. Die politische Philosophin Hannah Arendt stellte sich mit ihrer nüchternen Eichmann-Analyse während des Prozesses in Jerusalem gegen den „Trend“ der Nachkriegsjahre, die Nationalsozialisten zu dämonisieren. Kein Monster, nein, ein Schreibtischtäter, ein „Hanswurst“ sei Adolf Eichmann gewesen. Diese heute selbstverständlich wirkende Erkenntnis hatte weitreichende Folgen. Sie wurde angefeindet und bedroht, einige ihrer wichtigsten Freunde stellten sich unversöhnlich gegen sie. Arendt blieb dennoch kompromisslos bei ihrer Einschätzung des Nationalsozialismus. Vielleicht ist es das, was heute beinahe altmodisch anmutet: eine Erkenntnis zu haben, eine Entscheidung zu treffen und dann auch dazu zu stehen. Regisseurin Margarethe von Trotta weiß, was es bedeutet, Farbe zu bekennen. Dass ihr Herz links schlägt, kann man auch bei Wikipedia nachlesen. Ihre Filme werden oftmals als langweilig und humorlos kritisiert. Kann schon sein, dass sie an Geschichtsunterricht erinnern. Trotta hat kein Problem damit. Schwierig hingegen fand sie es, den Prozess des Denkens filmisch darzustellen. Aber wenn jemand spielen kann, wie aufregend es ist zu denken, dann Barbara Sukowa. Biopics laufen immer Gefahr, staubig zu wirken - La Sukowa bringt auch bei diesem schweren Stoff die Leinwand zum Schillern.
Grit Dora
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