Quellen des Lebens

Drama, Deutschland 2012, 173 min

Erich Freytag (grandios hässlich: Jürgen Vogel) kommt aus der Kriegsgefangenschaft. Seine Frau (Meret Becker), seine Schwester Marie (Sonja Kirchberger) und die Kinder empfangen ihn frostig. Die Familie funktioniert sehr gut ohne ihn. Der Heimkehrer und Eindringling ordnet die Verhältnisse auf soldatische Weise zu seinen Gunsten und schafft sich ausgerechnet mit der Herstellung von Gartenzwergen das eigene kleine Wirtschaftswunder. Sohn Klaus (Moritz Bleibtreu) will Schriftsteller werden. Er verliebt sich in Gisela (Lavinia Wilson), ein gleichfalls schreibendes und sehr ambitioniertes Mädchen aus gutem Hause. In Vaters Gartenzwergfabrik zeugen sie en passant ein Kind, der klassische „Unfall“. Sie vernachlässigen den ungewollten Jungen, die Mutter verlässt nach ersten schriftstellerischen Erfolgen die Familie. Hin- und hergeschoben zwischen dem Vater, den Großeltern und verschiedenen Internaten, wächst Robert in die 70er Jahre hinein. Familie tut weh. Regisseur Oskar Roehler scheut den Schmerz nicht. Schon in seinem bisher größten Erfolg »Die Unberührbare« (2000), über die letzten Lebensmonate seiner Mutter Gisela Elsner und deren Suizid, war das so. Roehler schaut mit dem Brennglas auf die eigenen Verletzungen und beschreibt, wie sie entstanden sind. „Herkunft“ hat er seinen autobiografischen Roman von 2011 genannt, der Vorlage für »Quellen des Lebens«. Jetzt erzählt er mit der Überlebensgeschichte seiner Kindheit zugleich eine exemplarische deutsche Familiengeschichte über drei Generationen. Das gelingt ihm trotz des schweren Stoffes und der teils brutalen innerfamiliären und gesellschaftlichen Irrungen und Wirrungen auf unglaublich heitere und liebevolle Weise.
Grit Dora