Angels’ Share - Ein Schluck für die Engel

Komödie/Drama, Großbritannien/Frankreich 2012, 101 min

Ken Loach nennt seinen neuen Film nach dem „Anteil für die Engel“: eine kleine Menge Alkohol, die aus dem Fass während des Reifeprozesses verschwindet.
Alkohol spielt in vieler Hinsicht eine Rolle im Film: Er ist die Ursache für die prekäre Situation vieler Leute in Glasgow, der Gegend, in der »Angel's Share« spielt, und bringt so manchen vor Gericht. Die Protagonisten machten durch Gefährdung des Bahnverkehrs, Ladendiebstahl, Beleidigung und Körperverletzung auf sich aufmerksam. Doch Ken Loach (»The Wind that Shakes the Barley«, »Ae Fond Kiss…«) macht eine bestimmte Sorte Alkohol zum rettenden Anker für vier ziemlich spezielle Fälle. Robbie hat zwar eine Freundin und bekommt bald ein Kind, aber seine Vorgeschichte ist geprägt von Kriminalität und Gewalt. Er muss gemeinnützige Arbeit leisten, ist also gerade noch mal einem Knastaufenthalt entkommen. Aber eine Perspektive hat er nicht, und das Wichtigste - sein Kind - soll er nicht mehr sehen dürfen: Der Vater seiner Freundin bietet im Geld dafür, dass er nach London verschwindet. Sich dem zu verweigern würde bedeuten, ein paar Feinde mehr zu haben und im alten Sumpf stecken zu bleiben.
Die Situation ist also recht aussichtslos. Aber durch glückliche Fügung gerät Robbie an den Sozialarbeiter Harry, einen Whiskey-Liebhaber. Der erkennt sehr schnell, dass Robbie ein spezielles Talent hat: Er macht ihn zum Whiskey-Experten und nimmt ihn zu Verkostungen mit. Im Schlepptau hat Robbie stets drei Freunde, die wie er gemeinnützige Arbeit leisten müssen. Er ist eindeutig der Cleverste, aber jeder der anderen bringt ein gewisses Talent mit, das ihnen bei ihrem Coup helfen wird. Sie hecken nämlich einen phänomenalen Plan aus, der die Bedeutung des »Angel's Share« ganz neu interpretiert.
Ken Loach hat einen unterhaltsamen und witzigen Film gemacht, der mit überzeugenden Darstellern zeigt: Jeder kann es schaffen. Ein echtes Feelgood-Movie, das aber zum Glück nicht allzu dick aufträgt. Mit brutalen Szenen wird nicht gespart, und die ausgesprochene Tumbheit einiger Kumpels ist wirklich witzig. Auch wenn einer der Fäden in der Geschichte ein wenig vernachlässigt wird, findet die Story zu einem guten und runden Ende: Das Verschwundene taucht eben manchmal an unerwarteter Stelle wieder auf.
Petra Wille
Petra Wille

Buch: Paul Laverty

Regie: Ken Loach

Darsteller: Roger Allam, John Henshaw, Daniel Portman, William Ruane, Lorne MacFadyen, Paul Brannigan, David Goodall, Lynsey-Anne Moffat

Kamera: Robbie Ryan

Produktion: Entertainment One, Sixteen Films, Why Not Prod., Wild Bunch, Rebecca O’Brien

Bundesstart: 18.10.2012

Start in Dresden: 18.10.2012

FSK: ab 12 Jahren