Jackie - Wer braucht schon eine Mutter?

Drama/Komödie, Niederlande 2012, 100 min

Sie sind die Töchter eines Männerpaares und sehr zufrieden mit ihren Vätern. Sofie hat die von ihr als Gebärmutter bezeichnete Leihmama scheinbar nie vermisst, Daan stellt sie sich als eine Art weiblichen Indiana Jones vor. Doch man ist schließlich erwachsen und mit unterschiedlichen Lebensentwürfen mehr oder weniger in der Realität verankert. Während Sofie mit leicht verkniffenen Lippen an der Karriere bastelt, lebt Daan verheiratet in den Tag hinein. Ein Anruf aus den Staaten sorgt für Spannung. Mutter Jackie, die unbekannte Amerikanerin, muss nach einem Unfall in ein weit entferntes Reha-Zentrum transportiert werden und hat keine weiteren Verwandten. Die holländischen Zwillingsschwestern machen sich notgedrungen auf den Weg. Muttern erweist sich als wortkarg, aber souverän im Umgang mit der Shotgun. Es gilt, ihr vergammeltes Wohnmobil zu chauffieren und klassische Roadtrip-Abenteuer zu bestehen. Bekanntlich ist es kein Spaß, Tag und Nacht der Verwandtschaft ausgeliefert zu sein, ganz egal, wie gut man sich kennt oder eben auch nicht. Die Fetzen fliegen vor allem zwischen den Schwestern, so dass Jackie spät aber doch noch ihre Mutterrolle annimmt und forsch eingreift. Irgendwann fliegen auch die Handys die Canyons hinunter und ein Gefühl von Freiheit stellt sich ein. Antoinette Beumers Frauen-Roadmovie-Version bewegt sich nicht vorsichtig um Klischees herum, sondern spielerisch mittendurch und verblüfft mit einem überraschenden Finale. Die Regisseurin und ihre Drehbuchautorinnen denunzieren das althergebrachte Familienkonzept nicht als Holzweg, machen aber ganz beiläufig deutlich, wie steinig der klassische Feldweg ist. Carice und Jelka van Houten, Schwestern im Film und im Leben, beweisen im Verein mit der grandiosen Holly Hunter, dass viele Routen nach Rom führen.
Grit Dora