Nachlese

Drama/Thriller, Polen 2012, 107 min

Der Regisseur Wladyslaw Pasikowski entfesselte mit seinem Film »Poklosie« heftige Diskussionen um das Selbstverständnis der Polen. Er zeigt seine Landsleute nicht als Kriegsopfer, sondern als Komplizen des Judenmords. Dazu verlegt er seine Geschichte in ein fiktives Dorf zu Beginn der Nullerjahre, wo zwei Brüder einem Jahrzehnte totgeschwiegenen Geheimnis der Dorfgemeinschaft auf der Spur sind.
Der polnische Begriff „Poklosie“ entstammt der bäuerlichen Lebenswelt und bezeichnet die Ährenlese auf dem Feld; er kann auch mit Ernte oder Nachlese übersetzt werden. Oder am besten mit „Nachlass“. Der Filme erzählt von Józef Kalina und seinem Bruder Franciszek, die ein Massaker aufklären, das in ihrem Heimatdorf während des Zweiten Weltkrieges verübt wurde: die Ermordung der jüdischen Dorfbewohner durch die nicht-jüdischen - also die eigenen Nachbarn.
Franciszek, ein Emigrant, kehrt nach 20 Jahren Abwesenheit aus Chicago in sein polnisches Heimatdorf zurück, wo Józef allein auf dem elterlichen Bauernhof lebt, im Konflikt mit dem Dorf. Er hat jüdische Grabsteine entdeckt, die als Straßenbelag oder Gehweg verwendet wurden. Empört gräbt er nachts die Platten aus und errichtet mit ihnen auf seinem Feld einen Friedhof. Als die Brüder beginnen, die Geschichte der Menschen hinter den Grabinschriften zu recherchieren, ziehen sie den Hass der Dorfbewohner auf sich. Unbeirrt fahnden sie weiter und kommen so Stück für Stück der kollektiv verschwiegenen Vergangenheit auf die Spur…