TRAILER

Godzilla Vs. Kong

Action, USA 2020, 114 min

Man nehme: einen Riesenaffen, eine radioaktive Riesenechse, ein niedliches Kind, ein paar Menschen mit Sprechrollen und eine geheime, monströse Bedrohung. Obwohl die bunte, cineastische Mischung bereits durchs Internet geistert, stellt sich der wahre Genuss doch erst ab einer Fernsehgröße von ca. fünf Metern ein. Deshalb kann man sich die Schlacht der Giganten ruhig (noch einmal) im Kino des Vertrauens, anschauen. Kollege Godzilla taucht, nach einigen Jahren der ruhigen Selbstbeschäftigung mit Onlinepoker und einem Fernkurs in Genderstudies, wieder auf der Bildfläche auf und verbreitet mit seinem Atom-Atem Leid und Zerstörung vom Ausmaß eines rebellischen Internetvideos rebellischer deutscher Schauspieler. Dort sterben Menschen, hier die Demokratie. Oder umgedreht. In diesen wilden Zeiten braucht man deshalb unkonventionelle Lösungsansätze und keine Denkverbote. So kommen die Forscher Nathan Lind (Alexander Skarsgård) und Ilene Andrews (Rebecca Hall) auf die glorreiche Idee, dem einem Monster ein Anderes entgegen zu setzen - Kollege Kong! Der döste in den letzten Jahren auf seiner Insel herum und hat Freundschaft zur kleinen, taubstummen und superniedlichen Tia (Kaylee Hottle) entwickelt. Dass sich beide nicht nur emotional gut verstehen, ist im weiteren Verlauf durchaus hilfreich. Denn für den Affen gibt es statt Zucker eine dicke Beruhigungsspritze für die Überfahrt von Skull Island zum Reich der aufgehenden Sonne. Bis dorthin ist es aber ein weiter Weg auf dem die beiden Giganten des Filmtitels zum ersten Mal aufeinander treffen. Der Kampf Affe vs. Echse im Meer ist aber nur der Auftakt einer abenteuerlichen Reise, die jeden Verschwörungspraktiker vor Neid erblassen lässt - nächster Stopp: Hohlerde! Denn irgendwo müssen die Viecher ja herkommen, die im letzten Godzilla Film (»King of the Monsters«, 2019) aufgetaucht waren. Und siehe da, dort unten, zwischen Riesenbäumen und Megakristallen, war Kong tatsächlich einst der King, sogar mit Thron und Zepter. Wer ihm das gebaut hat, bleibt unbeantwortet. Für dumme Fragen ist eh keine Zeit, Regisseur Adam Wingard schickt sein Team wieder an die Oberfläche, um den finalen Kampf einzuleiten. Dabei fällt auf, dass Kong seit seinem letzten Filmauftritt ordentlich gewachsen ist, so dass er beim Umfallen mindesten genau so viel kaputt machen (sehr gut dargestellt) und Menschen entleiben kann (nicht dargestellt), wie sein schuppiger Gegner. Da wird man wieder an die japanischen Originalfilme erinnert, als Personen und Rahmenhandlung eher unwichtig waren, dafür aber zwei Ungetüme zwischen Hochhäusern und Straßenschluchten miteinander kämpften, als wären sie im Modelleisenbahnland auf Meth unterwegs. Doch am Ende können die Überlebenden wieder ihre Köpfe in die Sonne richten so wie wir in die Biergärten pilgern dürfen. Denn irgendwann ist alles Leid zu Ende und unterm Strich sind wir hier und dort doch gut durch die Krise gekommen - weil alle tapfer gekämpft haben.
Pinselbube