16. Juni 2023

Dramaturgin und DIAF-Leiterin Sabine Scholze verstorben

Die langjährige Geschäftsführerin des DIAF verstarb am 2. Juni
Dramaturgin und DIAF-Leiterin Sabine Scholze verstorben
Sabine Scholze, Dramaturgin im DEFA-Studio für Trickfilme Dresden und langjährige Geschäftsführerin des Deutschen Instituts für Animationsfilm (DIAF), ist am 2. Juni verstorben. Bis zu ihrem Tod hat sie das DIAF durch ihren Einsatz als Leiterin und Vorstandsmitglied geprägt und es zu einer Forschungs-, Sammlungs- und Ausstellungsinstitution von nationaler Bedeutung entwickelt.

Die 1944 geborene Dresdnerin legte ihr Abitur an der Kreuzschule ab, absolvierte eine Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin und studierte Germanistik und Anglistik an der Humboldt-Universitat Berlin. Nach dem Diplom war Sabine Scholze zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Progress Film-Verleih tätig, anschließend mehr als zehn Jahre lang bei der Bezirksfilmdirektion Dresden. Ab Mitte der 1980er Jahre arbeitete Sabine Scholze als stoffführende Dramaturgin im DEFA-Studio für Trickfilme Dresden.

Sie wirkte an rund 30 Filmen mit. Mehrfach arbeitete sie mit den Regisseuren Marion Rasche, Jörg d’Bomba und Raimund Backwinkel zusammen. Auch die ersten Werke der jüngsten Zeichentrick-Generation (Lutz Stützner, Gabor Steisinger, Olaf Ulbricht u. a.) betreute sie dramaturgisch.

Nach der Abwicklung des Trickfilmstudios baute sie von 1993 bis 96 eine Filmschule im neuen Film- und Medienkulturzentrum Pentacon auf. Mit weiteren früheren DEFA-Mitarbeitern rettete sie die im Müllcontainer „entsorgten“ künstlerischen Materialien aus dem aufgelösten Trickfilmstudio.

1993 gründete sie das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF) mit und engagierte sich ehrenamtlich als Vereinsvorsitzende. Ab 1996 leitete sie das Institut als Geschäftsführerin. Unter ihrer Agide entwickelte sich das DIAF zu einer Sammlungs-, Präsentations- und Forschungseinrichtung von nationaler und internationaler Bedeutsamkeit. Rückblickend konstatierte Sabine Scholze über die wilden 90er Jahre: „Ich glaube, ich war für die Zeit die richtige Besetzung: Ich bin nicht so der große Wissenschaftstyp, sondern eher der Durchreißer.“

Die gesicherten Schätze aus dem Gorbitzer Studio wurden von tatkräftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des jungen DIAF geordnet, systematisiert, inventarisiert, gesäubert und teilweise aufgearbeitet. Dabei musste das Team mehrfach mit Sack und Pack umziehen — vom Kohlenkeller des Pentacon-Kulturhauses in die 3. Etage der heutigen Technischen Sammlungen und schließlich in deren Untergeschoss, wo das Archiv noch immer beheimatet ist.

Neben der physischen Bewahrung des Dresdner Trickfilm-Erbes konzipierte das rührige Team um Sabine Scholze Dutzende Ausstellungen, mehrere internationale Symposien zum Animationsfilm sowie unzählige Filmveranstaltungen, sowohl zum DEFA-Trickfilm als auch zu seinen ,,Artgenossen“ aus dem Ausland. Auch das Kinderfilmfestival „Kintop für Kids“, das unter dem Namen KINOLINO in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert, organisierte Sabine Scholze mit.

Foto © DIAF/Steffen Füssel