Father Mother Sister Brother

Komödie/Drama, USA/Irland/Frankreich 2025, 110 min

Drei Kapitel, drei Orte, drei Familientreffen, bei denen das Wichtigste zuverlässig unausgesprochen ausgesprochen bleibt. Jim Jarmusch baut seinen neuen Film als in den USA, Irland und Paris angesiedeltes Triptychon. Im ersten Teil besuchen Jeff (Adam Driver) und Emily (Mayim Bialik) ihren zurückgezogen lebenden Vater (Tom Waits). Der ist kein Patriarch, eher ein verschlossener Restposten, der Nähe nicht verweigert, aber auch nicht anbietet. In Dublin treffen zwei Schwestern (Cate Blanchett, Vicky Krieps) zur jährlichen Visite bei ihrer Mutter (Charlotte Rampling) ein, die Atmosphäre ist höflich, fast ritualisiert, alte Rollenmuster greifen wieder.
Im Paris-Kapitel schließlich treffen sich die Zwillinge Skye (Indya Moore) und Billy (Luka Sabbat) in der leeren Familienwohnung, eine Begegnung mit Rückschau und Annäherung an Menschen, die nicht mehr antworten können. Jarmusch arbeitet einmal mehr mit extrem knappen Dialogen. Er lässt seine Figuren aneinander geraten, ohne dass es je laut werden müsste. Es reicht, dass jemand zu lange schweigt oder zu schnell lächelt; die Spannung liegt in den Zwischenräumen. Meisterhaft lässig inszeniert er lange Pausen, manchmal scheint eine Szene erst dann zu beginnen, wenn sie schon fast vorbei ist. Nach sehr unterschiedlichen Arbeiten, zuletzt dem lakonischen Zombie-Film »The Dead Don’t Die« und dem stillen Porträt »Paterson«, setzt er in »Father Mother Sister Brother« wieder stark auf maximale Reduktion und beweist erneut sein inzwischen legendäres Können. Die dysfunktionale Familie ist bei ihm kein Schlachtfeld, sondern ein liebevoll betrachteter Ort des scheiternden sozialen Austauschs und des dennoch steten Bemühens. Keiner erzählt das mit trockenerem Humor als Jarmusch. Dafür gab es 2025 den Goldenen Löwen in Venedig.
Grit Dora